check-circle Created with Sketch.

Bäuerliche Fotoalben

Wer klebt heute noch Abzüge in ein Fotoalbum, um mit diesem ein Stück Familiengeschichte zu überliefern? Mit der Digitalfotografie ist diese ehemals weit verbreitete Praxis weitgehend verschwunden. Und doch existieren sie noch in vielen Regalen, Schränken und Kisten: Die oft liebevoll gestalteten, mit kurzen oder längeren Texten teils auch mit Dekorelementen ergänzten Alben, die vom Anwachsen der Familie, vom Hausbau, von gemeinsamer Arbeit und teils auch von Menschen erzählen, die schon Jahrzehnte tot sind.

Sowohl in der Geschichtswissenschaft als auch in der Alltagskulturforschung erfahren Fotoalben als historische Quelle zunehmend Aufmerksamkeit. Sie sind unersetzliche Dokumente von Familiengeschichte und geben Forschenden exklusive Einblicke in individuelle Wahrnehmungen und Erinnerungen.

In den Alben verbindet sich die große Geschichte mit dem privaten Alltag, mit Wünschen und Sehnsüchten, mit dem kleinen Glück und manch einem Unglück. Weil die vielen familiär wichtigen Ereignisse und Sachverhalte nicht verloren gehen und vergessen werden sollten, haben die Gestalterinnen und Gestalter der Fotoalben, vergleichbar mit Chronisten, Fotografien und vieles mehr zusammengestellt und zu einer Erzählung mit und in Bildern komponiert. Bisher gibt es kein Archiv, das solche Fotoalben systematisch sichert und sammelt, nicht selten landen sie nach mehreren Generationen auf Flohmärkten oder im Internethandel. Daher ist ab Herbst 2020 ein Forschungsprojekt geplant, in dessen Mittelpunkt bäuerliche Fotoalben stehen. 

Zwischen 1900 und etwa 2000 sind zahlreiche Fotoalben entstanden, deren besonderer Wert für die Forschung allmählich erkannt wird. Wir möchten uns besonders den Alben aus dem dörflichen und bäuerlichen Kontext zuwenden, anders als Fotoalben des städtischen Bürgertums haben sie wissenschaftlich bisher keine Beachtung gefunden. Deshalb möchten wir mit Fotoalben zu diesen Lebensverhältnissen und dem Alltag forschen, der sich in Vielem von demjenigen in den Städten unterschied.

Das Archiv für Alltagskultur möchte dieses kulturelle Erbe sichern, die Fotoalben für eine gewisse Zeit ausleihen und Digitalisate von ihnen anfertigen. Außerdem ist geplant, mit denjenigen, die die Alben zusammengestellt haben, Interviews zu führen.

Sie haben noch Fragen zu dem Forschungsprojekt oder möchten die Alltagskulturforscherinnen und ‑forscher mit einem Fotoalbum unterstützen? Dann melden Sie sich bitte telefonisch unter der Nummer 0251 – 8324404 oder per Mail unter alltagskultur@lwl.org.