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Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle

Die Geschäftsstelle der Kommission Alltagskulturforschung in Münster betreut die Mitglieder; zugleich ist sie Anlaufstelle für alle, die sich mit volkskundlichen Fragen beschäftigen.
Sie regt Forschungen in und über Westfalen an, fördert sie durch die Bereitstellung von Quellenmaterial und Publikationen, koordiniert Projekte, arbeitet mit anderen wissenschaftlichen Institutionen zusammen. Eine enge Kooperation besteht mit dem Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

 

Unsere Geschäftszeiten:

Montag bis Donnerstag: 8.30 bis 12.30 Uhr,
14.00 bis 15.30 Uhr; Freitag: 8.30 bis 12.30 Uhr.

 

Christiane Cantauw M.A.

Geschäftsführerin und wissenschaftliche Referentin

Kontakt:
Tel.: (0251) 83-24398
Fax: (0251) 83-28393
E-Mail: christiane.cantauw@lwl.org

Haushaltsbuch von Hildegard Weber aus Soest, 1949-1950

Archiv für Alltagskultur in Westfalen, Bestand Hildegard Weber, o. Inventarnummer

Unter den noch nicht inventarisierten Artefakten in der Sammlung der Volkskundlichen Kommission fand ich das Haushaltsbuch von Hildegard Weber, das mit den in das Buch eigelegten Rechnungen und Briefen den Bestand Weber bildet.

Das Haushaltsbuch im Format Din-A-5 wurde in der Buchdruckerei Richard Schmidt in Halberstadt hergestellt. Nach einem Deckblatt sind pro Seite jeweils zwei Spalten für Ausgaben vorgesehen. Die einzelnen Spalten sind mit den Wochentagen und einem noch einzutragenden Datum überschrieben. Nach jeweils sieben Tagen folgt eine Spalte, in der eine wöchentliche Abrechnung mit Einnahmen und Ausgaben vorgenommen werden kann.

Hildegard Weber hat das Buch nicht nur zur Dokumentation ihrer fast täglichen Einkäufe genutzt, sondern hier auch notiert, was sie an dem jeweiligen Tag gemacht hat. Wir erfahren von Geburtstagsfeiern, der Kündigung ihres Mannes, von der Krankheit des bereits erwachsenen Sohnes, von Kinobesuchen und von häuslichen Arbeiten wie der Großen Wäsche oder dem Putzen des Kellers.

Das Haushaltsbuch gewährt Einblicke in den Alltag einer Hausfrau mit Mann und zwei erwachsenen berufstätigen Kindern in der Nachkriegszeit. Es gibt Auskunft über den geographischen Raum, in dem sich Hildegard Weber bewegt hat, ebenso wie über ihr Freizeitverhalten oder die alltäglichen und nicht-alltäglichen Ausgaben für z.B. Milch, Brot und Butter oder die Reparatur von Seidenstrümpfen. Spannend ist, wie viele Informationen über die Familie aus der doch recht beschränkten Anzahl an Einträgen und Dokumenten abgeleitet werden können. So entsteht aus der Beschäftigung mit dem Haushaltsbuch heraus der Mikrokosmos einer Kleinfamilie, der das Leben in der Nachkriegszeit in einer westfälischen Kleinstadt greifbar werden lässt. 

Dörte Hein M.A.

Archivleitung

Kontakt:
Tel. (0251) 83-24404
Fax (0251) 83-28393
E-Mail: doerte.hein@lwl.org

Abbildung eines TED-Bildplatten-System, 1975

Archiv für Alltagskultur in Westfalen, Bestand Sauerländischer Gebirgsverein, Inventarnummer: 0000.S3829

Die Abbildung wird in dem 140 000 Fotografien umfassenden Bildarchiv aufbewahrt und ist Bestandteil der Bildsammlung des Sauerländischen Gebirgsvereins. Es trägt den etwas uninspirierten Titel „TED-Bildplatten-System“. Aus meiner Sicht ist es eher eine „Innovation in Kinderhänden“, zeigt es doch das Abspielen der ersten bekannten Videoplatte mit Hilfe eines TED-Bildplatten-Lesegerätes im Jahr 1975. Schon im gleichen Jahr wurde die Produktion dieses TED-Systems nach nur zweijährigem Markterscheinen wegen der zu hohen Kosten und der großen Empfindlichkeit der Platten eingestellt.

Die auf dem Werkfoto von Telefunken abgelichtete Kindergruppe aus einer evangelischen Kindertagesstätte schaut sich fasziniert Asterix und Obelix mit einer solchen Television-Disc (TED) an.

Auf das Foto aufmerksam geworden, bin ich durch mein persönliches Interesse an der Geschichte des Fernsehens und war sofort begeistert, da dieses aus einem nur kurzen Zeitraum des TED-Systems stammt und so charmant mit den in den filmischen Bann gezogenen Kindern inszeniert wurde. Nicht zuletzt schließt sich auch eine Wissenslücke, dachte ich bis dahin, dass die erst ab den 1980er Jahren bekannt gewordene Videokassette einen solchen Vorläufer nicht besaß.

Dörthe Gruttmann M.A.

Wissenschaftliche Referentin

Kontakt:
Tel. (0251) 83-24405
Fax (0251) 83-28393
E-Mail: doerthe.gruttmann@lwl.org

Zeitkartenhalter und elektronische Stempeluhr memor electronic solari udine

Bei dem Kartenhalter aus Metall sowie der dazugehörigen elektronischen Stempeluhr handelt es sich nicht direkt um einen Archivfund, aber sicherlich um archivwürdige Bürogegenstände der Kommission Alltagskulturforschung für Westfalen. Denn beide befinden sich noch im Flur der Geschäftsräume der Kommission. Der Zeitkartenhalter aus Metall für 25 Stempelkarten sowie die elektronische Stempeluhr wurden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle vom Zeitpunkt des Bezuges der Räume in der Scharnhorststraße 2001 bis zum Frühjahr 2017 verwendet. Seitdem hängt ein zweites Arbeitszeiterfassungsgerät an der Wand, welches die An- und Abwesenheitszeiten digital übermittelt, wenn eine Chipkarte davorgehalten wird.

Zuvor mussten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeweils vor dem ersten Tag des neuen Monats eine neue Stempelkarte ausfüllen. Der Name und die Sollarbeitszeit wurden handschriftlich eingetragen, ebenso mussten beispielsweise Urlaubstage aufgeschrieben werden, und zwar in eine extra dafür vorgesehene Spalte für Sondereintragungen. Die Uhrzeit des Kommens und Gehens wurde auf die Stempelkarte in anderen Spalten gedruckt, wenn man sie in die Stempeluhr einführte. Diese zeigte bei dem Vorgang die erfassten Zeiten elektronisch auf einem kleinen Display an. Hierbei wurde eine Stunde in 100 Einheiten berechnet. Am Ende des Monats musste jeder ausrechnen, ob seine/ihre geleisteten Stunden mit der Sollarbeitszeit übereinstimmte. Die Stempelkarten selbst wurden monatlich weitergeleitet, im Falle der Kommission gingen diese an die Zentrale Verwaltungseinheit (ZVE).

Die sogenannte Stechuhr gehört für viele Menschen ganz unhinterfragt zum Alltag dazu. Dabei hat sich die automatische Arbeitszeiterfassung erst im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert allgemein durchgesetzt und löste andere Formen der Zeiterfassung und Regelungen ab (zum Beispiel das Läuten von Werkglocken). Ihre Etablierung hat sich auf die Wahrnehmung von Zeit erheblich ausgewirkt, normierten sie doch den Arbeitsrhythmus. Galten sie zunächst als Disziplinierungsgerät der Arbeitgeber, die einheitliche Arbeitszeiten, Pünktlichkeit und Pausen dokumentierten, hat sich diese (negative) Zuschreibung bis heute durchaus gewandelt.

Anhand von Stempeluhren lassen sich Steuer- und Regulierungsfunktionen im Sinne eines Kontrollinstrumentes im Arbeitsalltag ablesen, ebenso wie der Wandel dieser Technologie im Laufe der Zeit und damit verbunden der Wandel von Formen der Arbeitszeiterfassung.

Niklas Regenbrecht M.A.

Wissenschaftlicher Referent

Kontakt:
Tel. (0251) 83-24405
Fax (0251) 83-28393
E-Mail: niklas.regenbrecht@lwl.org

Totenzettel aus Westfalen, 19.-20. Jahrhundert

Archiv für Alltagskultur in Westfalen, Totenzettelsammlung, teilw. verzeichnet

Wie gedenken Menschen ihrer Verstorbenen? Und welche materiellen Zeugnisse bleiben vom Akt einer Beerdigung? Neben Grabsteinen, Todesanzeigen und Trauerkarten gehören auch die so genannten Totenzettel zu den Erinnerungsobjekten. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aufkommend, werden diese bei Beerdigungen an die Anwesenden verteilt.

Im Archiv für Alltagskultur befinden sich sowohl eine Reihe verzeichneter und digitalisierter Totenzettel, als auch bislang noch unverzeichnete Konvolute. Die frühesten Belege datieren auf das Jahr 1800. Sie stammen aus ganz Westfalen und darüber hinaus.

Die Gestaltung der Totenzettel unterliegt sich wandelnden Konventionen. Einblättrige Zettel wurden mit der Zeit vermehrt durch gefaltete Exemplare abgelöst. Bei Letzteren finden sich häufig auf den Vorderseiten Abbildungen von Heiligen oder Kreuzesdarstellungen, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts auch Fotografien der Verstorbenen. Auch die verwendeten Sinnsprüche, Gebete und Anrufungen der Heiligen unterliegen einem Wandel. Dieser geht tendenziell Richtung Vereinfachung und schlichterer Gestaltung.

Die Totenzettel waren und sind vor allem eine katholische Sitte. Es finden sich aber auch Spuren der Entfremdung von Religion, wenn beispielsweise Kreuze durch NS-Symbole ersetzt wurden. Totenzettel geben Auskunft über die Lebensdaten, Berufs- und Verwandtschaftsbeziehungen der Verstorbenen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts finden sich häufig sogar biographische Kurztexte und Angaben zur Todesursache. Sie sind nicht nur für genealogische Fragestellungen, sondern auch für Forschungen, die den Umgang mit dem Tod, Religiosität und Konfessionalität in den Blick nehmen, eine hervorragende Quelle.

Was die Empfänger der Totenzettel mit diesen gemacht haben, darüber geben die archivierten Totenzettel freilich keine Auskunft. Häufig wurden diese in Gesangbüchern gesammelt und – wenn sich allzu viele angesammelt hatten – in Schächtelchen ausgelagert. Sie einfach wegzuwerfen, scheint gewissermaßen tabubehaftet zu gewesen sein. Zusammenhängende Sammlungen können so manchmal auch Auskunft über das persönliche Umfeld einer sammelnden Person geben.

Kathrin Schulte M.A.

Wissenschaftliche Volontärin

Kontakt:
Tel. (0251) 83-24406
Fax (0251) 83-28393
E-Mail: kathrin.schulte@lwl.org

Fotoalbum und Tagebücher über den Kriegsalltag einer Jugendlichen, 1938-1946

Archiv für Alltagskultur in Westfalen, Bestand Renate Brockpähler, Tagebücher Inventarnummer K02536 – K02541, K02543 – K02547; Fotoalbum Inventarnummer: 2060

Bei den Objekten handelt es sich um ein Fotoalbum mit Urlaubsfotos der Familie Brockpähler sowie um sechs der insgesamt acht Tagebücher der Tochter Renate aus den Jahren 1938 bis 1946. Das Fotoalbum enthält unter anderem Fotos vom Familienurlaub im Riesengebirge aus dem Spätsommer 1944. Das Album sowie die Tagebücher stammen aus dem umfangreichen Nachlass Renate Brockpählers, die bis zu ihrem Tod 1989 Mitarbeiterin der Kommission Alltagskulturforschung war. Der Nachlass enthält neben zahlreichen Familienfotoalben, ein Album von einer Chorfahrt in die USA, Tagebücher und wissenschaftliche Aufzeichnungen aus ihrer Arbeit in der Kommission.

Mich begeistert an diesem Bestand, mit dem ich mich bereits im Rahmen eines Blogartikels befasst habe, dass er einen einzigartigen Zugang zum Alltag um die Mitte des 20. Jahrhunderts ermöglicht. Renate war zur Zeit des Familienurlaubs 17 Jahre alt. Aus ihren Tagebuchaufzeichnungen erfahren wir von dem Leben einer Heranwachsenden während der NS- und Nachkriegszeit: So schreibt sie beispielsweise über den Familienurlaub im Riesengebirge, über einen Streit mit ihrer besten Freundin, eine 5 in Mathe und ihren Reichsarbeitsdienst. Renate kommentiert aber auch die politischen Entwicklungen, den Kriegsalltag und die Luftangriffe auf Münster, die sie erlebte. Dadurch werden diese sehr persönlichen Aufzeichnungen zu einer historischen Quelle, die noch zahlreiche Erkenntnisse für uns bereithält.

Nikola Böcker B.A.

Studentische Volontärin

Archiv

Tel.: (0251) 83-22400

Freibrief für Ennike Gerling ausgestellt von der Äbtissin und Erzdiakonin des Stifts Freckenhorst Hedewich Christina Gertrudt, 1710

Archiv für Alltagskultur in Westfalen, Bestand Hofarchiv Gerling, Inventarnummer K02951.0026

Der Freibrief ist Teil der Hofakten eines Hofes aus Saerbeck und der einzige seiner Art in der Sammlung der Kommission Alltagskulturforschung. Die derzeitigen Hofbesitzer haben Schriftgut aus vier Jahrhunderten aufbewahrt und die gesammelten Zeugnisse 2017 als Depositum in unsere Sammlung gegeben. Dabei handelt es sich u.a. um Hofübergabeverträge, viele handschriftliche Rechnungen und Quittungen sowie Unterlagen zu Flurbereinigungsmaßnahmen.

Der Brief dokumentiert die Entlassung von Ennike Gerling aus der Leibeigenschaft und ist auf den 13. September 1710 datiert. Unterzeichnerin ist Hedewich Christina Gertrudt, Äbtissin des Stifts Freckenhorst, deren Siegel sich in der linken unteren Ecke des Freibriefs befindet. Die Empfängerin des Freibriefs war fortan von allen Pflichten gegenüber dem Stift Freckenhorst befreit, „kraft gegenwertiger Brieffes, gestalt sie sich nunmehro anderen freien Leuthen gleich verhalten, und dahin kehren und begeben mag, woh es ihr am dienligst, und gelegensten zu sein Vermeinen wirdt“. Im Gegensatz zu den Leibeigenen war sie nun nicht länger zu Frondiensten verpflichtet, durfte etwa vom Grund ihrer Leibherrin wegziehen und ohne ihre Genehmigung heiraten. Warum genau Ennike den Freibrief erhielt, geht aus dem Bestand nicht hervor. Es könnte sein, dass sie den elterlichen Wohnsitz verlassen wollte, um an anderer Stelle zu heiraten. Dafür musste sie erst ihr bestehendes Hörigkeitsverhältnis auflösen. Die Leibeigenschaft wurde im Königreich Westfalen etwa 100 Jahre nach der Erstellung dieses Freibriefs im Jahr 1808 aufgehoben.

Christin Fleige B.A.

Studentische Volontärin

Bibliothek

Tel.: (0251) 83-24389

Kochbuch von Hedwig Langenbach, um 1899

Archiv für Alltagskultur in Westfalen, Bestand Hedwig Langenbach,Inventarnummer K02485.0001

Das  Kochbuch mit handgeschriebenen Einträgen und grünem Einband gehört zum Konvolut Langenbach. Einem Eintrag auf der ersten Seite ist zu entnehmen, dass sie das Buch im Jahr 1899 „von W. D.“ zum Geburtstag bekommen hat. Bei dem Buch im Format Din A 5 handelt es sich um ein Druckerzeugnis, das mit ca. 120 Seiten und einer Unterteilung in 12 Registerkarten im Handel erhältlich war. Zwei Rezepte in diesem Buch sind datiert – eines für „Baumkuchen“ auf den 5.12.1928, ein anderes für „Eier-Likör“ in das Jahr 1935 –, sodass davon auszugehen ist, dass die Rezeptsammlung über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder ergänzt wurde. Insgesamt enthält das Buch etwa 120 Rezepte, die zwölf vorgegebenen Kategorien zugeordnet sind, darunter „Suppen“, „Gemüse“, „Fleischspeisen“, „Braten“, „Compots und Salate“, „Crêmes und Backwerk“. Die Kategorie „Saucen“ hat Hedwig Langenbach um „Eingemachtes“ und „Saftgelee“ erweitert, die Kategorie „Vorspeisen“ wurde von der Verfasserin kurzerhand durch den Zusatz „Puddings“ erweitert.

Neben einfachen Rezepten wie „Buttermilchsuppe“, „Arme Ritter“ oder „Kartoffel-Kuchen“ finden sich auch einige aufwändigere Rezepte („Gans gefüllt“, „Baumkuchen“); die Art der Speisen und Zutaten weist darauf hin, dass die Verfasserin des Buches aus einem bürgerlichen Umfeld stammte.

Mich begeistert an diesem Buch und an historischen Kochbüchern im Allgemeinen, dass sie eine in vielerlei Hinsicht aufschlussreiche und manchmal auch befremdliche Quelle darstellen, weil wir sie unwillkürlich vor dem Hintergrund unserer heutigen Ernährungsgewohnheiten betrachten. So erscheinen mir Rezepte wie „Biersuppe“, „Zungenragout“ oder „Fleischpudding“ zunächst eher sonderbar.

Bei näherem Hinsehen lassen Rezeptsammlungen wie die von Hedwig Langenbach verschiedene Aussagen über das kulturell geprägte System der Küche in vergangenen Zeiten zu – nicht nur zur Auswahl, Zubereitung und Konservierung von Nahrung, sondern auch über Regionalküchen, Alltags- und Festspeisen („Kuchen zum Thee“) sowie über die Verbreitung „fremder“ bzw. überregionaler Nahrungsmittel und Speisen („Erdbeeren à Bavaroise“, „Englischer Kuchen“, „Pudding dela reine“, „Chocolade-Plätzchen“, „Zimmtsterne“).

Gerade handschriftliche Rezeptsammlungen geben außerdem Aufschluss über Prozesse der Weitergabe von Rezepten, z.B. innerhalb der Familie; sie spiegeln den persönlichen Geschmack der Verfasserinnen wider und weisen darauf hin, dass Essen auch mit persönlichen Erinnerungen verbunden ist. Hedwig Langenbachs Buch enthält z.B. Rezepte für eine „Apfelsinenspeise von Ohma Raabe“, „Erdbeersaft n.[ach] T.[ante] Laura“ oder „Pfeffernüsse n.[ach] T.[ante] Lina“. Viele Rezepte sind außerdem mit persönlichen Bewertungen wie „sehr gut“, „fein“ oder „vorzüglich“ versehen.

Ann-Kathrin Holler B.A.

Studentische Volontärin

WHB-Bestand

Diakasten aus dem Besitz des Westfälischen Heimatbundes

Archiv für Alltagskultur in Westfalen, Bestand Westfälischer Heimatbund

Nicht nur die im Archiv aufbewahrten Gegenstände, sondern auch ihre Aufbewahrung sind eine historische Quelle, die spannende Informationen über die Vergangenheit bereithält. Bei meinem Archivfund handelt es sich um einen von sieben hölzernen Kästen mit Großbilddias, die aus dem Besitz des Westfälischen Heimatbundes Münster stammen. Der hier vorgestellte rechteckige Holzkasten ist 20 cm lang und 10 cm hoch und enthält einen zweiten kleineren, passgenau auf den Inhalt zugeschnittenen Behälter aus Holz. Aufbewahrt wurden darin individuell gefertigte, ca. 8x8 cm große Glasplatten mit Diapositiven. Die s/w-Aufnahmen wurden im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert aufgenommen und dokumentieren das Alltagslebens der bäuerlichen Bevölkerung Ostdeutschlands und des heutigen Polens.

Interessiert hat mich an dem alten Diakasten besonders, ob es gelingen kann, diesem Objekt, zu dem es keine schriftliche Überlieferung gibt, Informationen über seinen Zweck und seine Handhabung zu entnehmen. Verschiedene Hinweise deuten darauf hin, dass es sich um eine speziell angefertigte Aufbewahrungs- und Transportkiste handelte: Die handwerklichen Details, wie der eingelassene Transportbügel aus Metall und der im Inneren befindliche, kleinere Holzkasten, der an die Größe der Dias angepasst ist, legen dies nahe. Eine Schraube sowie zugehörige Löcher zeigen, dass der Kasten verschraubt und für den Transport gesichert werden konnte. Ein auf dem Deckel aufgeklebter Zettel mit der Aufschrift „Vorsicht Glas“ forderte außerdem zu einem sorgfältigen Umgang mit dem Diakasten auf. Neben diesem Zettel findet sich auf dem Deckel ein weiteres aufgeklebtes Papier mit dem Poststempel der Stadt Dortmund, auf dem sich noch die alte, vor 1961 gültige Postleitzahl findet. Die ursprüngliche Verwendung des Diakastens muss also vor 1961 stattgefunden haben.

Weitere, auf dem Deckel angebrachte Beschriftungen geben Aufschluss über den Empfänger des Kastens. Die handschriftliche Adressierung auf dem Deckel verweist darauf, dass der Kasten per Post an die Adresse von „Herrn Studienrat Dr. Rohleder Warendorf i. W.“ geschickt wurde. Herr Dr. Franz Rohleder lebte seit 1919 in Warendorf in Westfalen und war dort als Lehrer tätig. Er war 1916 Mitbegründer des Westfälischen Heimatbundes gewesen und betätigte sich seit 1919 als engagiertes Mitglied des Heimatvereins Warendorf. Denkbar ist, dass sich Dr. Rohleder von der Geschäftsstelle des Westf. Heimatbundes Dias zusenden ließ, um mit ihnen einen Vortrag zu bebildern. Diese Annahme wird gestützt durch einen Aufkleber auf der Schmalseite des Diakastens, der den Inhalt als Dia-Serie „Aus dem Münsterland (unvollständig)“ kennzeichnet.

Offensichtlich stimmen hier Beschriftung und Inhalt des Kastens nicht überein, denn die hier aufbewahrten Dias zeigen das bäuerliche Leben in den ehemaligen deutschen Ostgebieten, wie zum Beispiel in Schlesien. Ob es irgendwann einmal möglich sein wird, den Verbleib des ursprünglichen Inhaltes des Kastens zu ermitteln sowie die Verwendung der vorgefundenen Serie aufzudecken, bleibt fraglich.

Die vorliegende Quelle legt nahe, dass der Westfälische Heimatbund über vorgefertigte Dia-Serien verfügte, die auf Anfrage per Post an potentielle Referenten verschickt wurden. Dass zu diesen Dia-Serien auch Vortragsmanuskripte gehörten, ist naheliegend, lässt sich aber anhand des Kastens nicht mit Sicherheit sagen.

Vorgefertigte Diaserien (und gegebenenfalls dazu gehörige Vorträge) dienten, soviel lässt sich mit Sicherheit sagen, der Popularisierung von Wissen. Eine Institution wie der Westfälische Heimatbund sorgte mit solchen Dia-Serien dafür, dass beispielsweise Bilder des Münsterlandes oder der ehemaligen deutschen Ostgebiete Verbreitung fanden und machte sich selbst zu einer wichtigen Vermittlungsagentur solcher Bilder.

Sophie Ullrich B.A.

Studentische Volontärin

Archiv

Tel.: (0251) 83-22400

Bierzeitung der Studierenden am staatlichen Berufspädagogischen Institut zu Köln 1928

Archiv für Alltagskultur in Westfalen, Bestand Johanna Gipmann, Inventarnummer: K02908.0002

Bei meinem Archivfund handelt es sich um eine Kölner Bierzeitung aus dem Personenbestand Gipmann, die 1928 von Studierenden des Berufspädagogischen Instituts in Köln angefertigt wurde. Studierende einer solchen Einrichtung strebten den Beruf des Gewerbefachlehrers, also Berufsschullehrers, an. Dieser pädagogische Studienzweig war in den 1920er Jahren neu geordnet worden und oblag seitdem berufspädagogischen Instituten.

Die Kölner Bierzeitung von 1928 wurde offenbar mit Hingabe und viel Liebe zum Detail gestaltet. Es gibt zehn paginierte Seiten, sowie Vorder- und Rückseite, deren Texte sämtlich handgeschrieben sind. Auch die Abbildungen sind offensichtlich handgefertigt. Auf der Titelseite findet sich eine Illustration, die zeigt, wie die am Institut ausgebildeten Gewerbeschullehrer mit ihren Zeugnissen durch das „Tor der Freiheit“ laufen. Die „Trauernd Hinterbliebenen“, also all jene, deren Studium noch andauert, müssen hinter dem Tor bleiben. Die vier Särge, die sich vor dem Tor befinden, könnten sinnbildlich für diejenigen stehen, die bei den Prüfungen durchgefallen sind oder die das Studium abgebrochen haben.

Eine eher positiv-satirische Sicht auf die Zeit am Institut bestimmt den Inhalt der Zeitung: Sprüche, Anekdoten, Zitate, Gedichte und allerlei Zeichnungen, gewähren einen Einblick in die Studienzeit der angehenden Berufsschullehrer. Zum Beispiel heißt es ironisch auf Seite acht: „Tips kurz vor der Prüfung billig abzugeben!! Garantie für Erfolg!! Dozenten-A-G. Köln.“

Bierzeitungen stammen ursprünglich aus dem Studentenmilieu und waren als Festzeitungen zum Gebrauch in der Kneipe gedacht, wo sie auch verlesen wurden. Brauch und Begriff wurden dann aber auch für andere Anlässe wie z.B. Hochzeiten, Jubiläen etc. übernommen. Dementsprechend finden sich unter den AutorInnen von Bierzeitungen StudentInnen, SchülerInnen, Hochzeitsgäste, Stammtischgruppen oder Kegelclub-Mitglieder.

Bierzeitungen spielen auch eine wichtige Rolle für die Erinnerungskultur, da sie beispielsweise Rückschlüsse auf Werthaltungen und alltägliche Erfahrungen (in diesem Fall von angehenden Berufsschullehrern) ermöglichen. Sie bündeln das, was die Autoren zu einem bestimmten Zeitpunkt für erinnerungswürdig gehalten haben. Nach der bestandenen Prüfung sind dies offenbar ausschließlich die positiven Momente ihrer Ausbildung. Lediglich die vier Särge auf dem Titelbild trüben dieses Zeugnis frohen Abschiednehmens.