11.06.2021

Kühe auf der Weide. Landwirtschaft damals

Melken auf der Weide in Schapen, um 1930. Foto: Bildarchiv des Emslandmuseums Lingen.

Andreas Eiynck

 

Kühe auf der Weide kann man heute auch noch sehen, aber früher sah man sie auf jedem Bauernhof. Nur den Winter über kamen die Tiere in den Stall und freuten sich dann im Frühjahr über das frische Gras und die leckeren Kräuter draußen auf der Weide. Das gab am Ende die gute Maibutter, die vom Emsland aus bis Amsterdam verhandelt wurde.

Aus älterer Zeit wird berichtet, dass in langen Wintern mitunter die Heuvorräte zur Neige gingen. Dann fehlte das Futter und wenn es ganz dicke kam, musste das Dachstroh als Futterersatz herhalten. Die Tiere waren dann im Frühjahr manchmal so schwach, dass sie förmlich aus dem Stall geschleppt werden mussten. Umso rascher erholten sie sich auf den fetten Frühlingsweiden.

Gemolken wurde früher meistens dreimal täglich. Und zwar draußen auf der Weide und natürlich in Handarbeit. Gestützt auf den Melkschemel hieß es dann: „stripp, strapp, strull, is de Emmer noch nich full?“. Als Transportmittel für die Milche diente ein Tragejoch mit zwei Eimern daran und später das sprichwörtliche Milchkannenfahrrad. Damit fuhr oder schob man dann über die ausgefahrenen Sandwege von den entfernten Außenweiden zurück zum Hof. Dort wurde die Milch zum Abrahmen in flache Schalen gegossen und schließlich im hölzernen Butterfass zu Butter gestoßen. Die Buttermilch war in den Sommermonaten ein beliebtes Erfrischungsgetränk und half nach dem Schützenfest auch gegen den Kater.

Mit dem Aufkommen der Molkereien begann auch das Zeitalter der Milchkutscher, die mit einem Pferdewagen die Milchkannen einsammelten und zur Molkerei fuhren. Bei Wind und Wetter ging es mit dem Milchwagen über schlechte Wege an allen Bauerhöfen entlang und dann zur Molkerei, anschließend mit den leeren Kannen retour. In vielen Orten gab es über hundert Kannennummern, denn auf dem Bauernhof wurde Milchvieh gehalten.

Ein großes Problem war im Sommer die Kühlung der Milch. Zur Not hängte man die Kannen in einen Bach oder in das kalte Wasser des Hausbrunnens, der sogenannten Pütte. Dennoch kam es immer wieder vor, dass bei der Rückgabe der Kannen ein Zettel drauf hinwies: „Milch war sauer“. Dann waren alle Mühlen umsonst.

Viele Weiden hatten keine Wasserversorgung oder der Feldbrunnen versiegte bei langer Trockenheit. Dann mussten die Tiere mit dem Wasserfass versorgt werden, was zusätzliche Arbeit bedeutete. Bei Gewitter bangte man um das Vieh auf der Weide, denn immer wieder wurden Kühe vom Blitz erschlagen. Romantisch waren die Sommermonate auf dem Lande also früher nur für die Kinder, die an den langen Abenden draußen spielen konnten.

Zuerst erschienen im Blog des Emslandmuseums Lingen am 15.05.2021.

Link: https://emslandmuseum.de/2021/05/15/kuehe-auf-der-weide/

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Schlagworte: Andreas Eiynck · Tiere