14.04.2020

April dött, watt he will.

Aprilwetter in Haddorf. Foto: Andreas Eiynck.

April dött, watt he will.

Wetterregeln aus dem Münsterland

Andreas Eiynck

In der traditionellen ländlich-bäuerlichen Lebenswelt blickte nach der Feldbestellung im Frühjahr alles auf das nun für die Ernte entscheidende Wetter der kommenden Monate. Und das war und ist bekanntlich ungewiss und von den Launen der Natur abhängig. Wettervorhersagen auf Grundlage aktueller meteorologischer Messungen kannte man bis in das 20. Jahrhundert noch nicht, wohl aber langjährige Wetterbeobachtungen und Erfahrungen. Sie wurden von manchen Bauern über viele Jahre und Jahrzehnte schriftlich aufgezeichnet. Auf einem Schulzenhof in Horstmar wurde eine solche Chronik sogar über hundert Jahre lang von mehreren Generationen geführt.

Doch das viele Schreiben war das Ding der meisten Bauern nicht. So fasste man die Beobachtungen und das vermeintliche Wissen um das Wetter in knappen Wetterregeln zusammen. In Form eines kurzen, meist gereimten Verses wirkten diese Spruchweisheiten pointiert und waren leicht einprägsam.

Ab Januar wartete eigentlich jeder auf das kommende Frühjahr und die neue Saison im Garten und auf den Feldern. Man suchte nach Vorzeichen, was das Wetter wohl bringen möge: „Kaolle Paul (25.1.) hell un klaor giff en gued Jaohr“. Und zum gesamten Monat meinte man: „Januar warm, dat Guod erbarm!“. Auch im Februar deutete man die Wettervorzeichen: „Lechtmiß (2.2.) heller un klaor giff en gued Roggenjaohr“. Und: „Danzt de Müggen in’n Februar, gifft es laot Fröhjaohr“.

Im März, wenn die Tage schon spürbar länger sind, warnte man vor der Kälte, die immer noch empfindlich sein konnte: „Mätensnee un Prillenwind, daovüör höde die min Kind!“. Aschermittwoch und Palmsonntag galten als Wettervorzeichen: „So äs’t Askedag is, so is’t de halwe Fasten“ und „Wenn der Palm trocken ins Haus kommt, so kommt der Roggen auch trocken ein.“ Das Osterwetter sah man ebenfalls als Vorzeichen: „So äs’t Ostern unner de Ucht, so bliff et veer Wiärk“.

Das Aprilwetter ist bekanntlich sehr wechselhaft: „April dött, watt he will.“ Die Pflanzen brauchen jetzt viel Niederschlag, aber noch nicht übermäßige Wärme: „April kaolt un natt, füllt de Buer Schüer un Fatt“ oder: „April natt un kaolt giff Roggen äs’n Wolt“ (wie ein Wald). Kommt die Frühjahrswärme schon im April, fehlt sie häufig im Mai: „Warmen April giff slechten Mai.“ Für die Heuerernte galt dies als vorteilhaft: „Kaollen Mai giff vull Hai“ oder „Kaollen Mai brengt allerlei“. Regen ist um diese Jahreszeit nötig: „Vull Grummeln in’n Mai, dann singt die Buer Juchei!“. Fehlt jetzt der Regen, kann dies die Ernte schädigen: „Mai heiß und trocken, gibt keine Brocken“.

Im Juni galten zwei heute längst vergessene Heiligentage als Wettermarken. Am Tag St. Medardus (8.6.) endete definitiv die Frostgefahr: „Merdardus brengt kinen Frost miähr hiär, de de Buer gefäöhrlick wäör“. Und am St. Vitus-Tag (15.6.) geht das Frühjahr zu Ende: „Sünte Vit – dann ännert sik de Tid, dann geiht dat Lauf in’ne Kante staohn, dann hebb‘ de Vüegel dat Leggen daohn“.

Im Juli beginnen die berüchtigten „Hundstage“ (23.7.-23.8.). Eine Hitzeperiode, aber auch ein Regentief, halten sich jetzt im Hochsommer sehr stabil, oft über mehrere Wochen: „So äs de Hundsdage anfangt, so bliff et de ganze Tid“. Fingen die Hundstage mit Regen an, dann hieß es: „Riängt et de Hund up de Snut, dann riängt et em auk up’n Stiärt“.

Der erste Wetteranzeiger für den Herbst war der Bartholomäustag (24.8.): „So äs sik Bartholomäus häölt, is de ganze Hiärwst bestellt“. Den Übergang zu dieser Jahreszeit markiert das Fest Mariä Geburt (8.9.): „Mariä Geburt – Schapp schuert – Unnerst verluert“, denn nun war der letzte Fleischvorrat meist aufgebraucht, der Speckschrank wurde gescheuert und das Mittagsschläfchen (Unnerst) entfiel, weil die Tage nun wieder kürzer wurden.

Der St. Gallus-Tag (16.10.) läutete auch für das Vieh die Herbstsaison ein: „Up Sünte Gall bliff de Koh in’n Stall“ – und noch wichtiger: „Sünte Gall ist Fleesk rip, dann kann’m slachten“, denn die sinkenden Temperaturen erlaubten (in einer Zeit ohne künstliche Kühlung) nun wieder das Schlachten.

Am 1. November begann mit Allerheiligen gefühlt die Winterzeit: „Allerhilgen sitt de Winter up de Tilgen“ und am Andreas-Tag (30.11.) meinte man: „Andreas Miß is de Winter gewiß“. Nicht immer brachte der Dezember schon Kälte und Schnee. Dann sagte man: „Gröne Wiehnachten – witte Ostern“. Und eines galt für das endende wie für das kommende Jahr: „Wenn’t kinen Winter giff, dann gifft auk kinen Suommer“.

Bei den meisten bäuerlichen Wetterregeln geht es weniger um die Vorhersage des Wetters als vielmehr um die Auswirkungen auf die Ernte. Sie beruhen auf langjährigen Wetterbeobachtungen und sind somit nicht ohne Wert. Für die Planung der nächsten Fahrradtour sollte man allerdings besser dem Wetterbericht ober der Wetterapp vertrauen. Denn letztlich gilt in Punkto Vorhersage für alle Wetterregeln: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, dann ändert sich’s Wetter oder bleibt wie es ist“.

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