21.02.2020

Fule und Buxenbeer

Fule bringen in Hollich, 1930-1931. Foto: Privatbesitz.

Fule und Buxenbeer

Packt an!!!Fastnachtsbräuche in Sellen und Hollich

Andreas Eiynck

Über die alten Fastnachtsbräuche in und um Burgsteinfurt liegen zahlreiche Berichte vor. Sie stammen überwiegend aus der Feder von reformierten Geistlichen, die seit dem späten 16. Jahrhundert in der calvinistischen Grafschaft Steinfurt das aus ihrer Sicht unsinnige, unkontrollierte und allzu wilde Fastnachtstreiben vollständig unterbinden wollten. Erfolgreich waren sie dabei nicht – anders als ihre katholischen Kollegen im umliegenden Münsterland, die mit Bußtagen und Vierzigstündigem Gebet der bäuerlichen Fastnacht schließlich den Garaus machten. Immerhin gelang es der protestantischen Geistlichkeit, ihr kleines Kirchenvolk vor der Kalenderreform Papst Gregors zu bewahren und so feiert man in und um Burgsteinfurt die Fastnacht bis heute ein paar Tage später als im Münsterland – also am Termin der sogenannten „Alten Fastnacht“. Davon profitierten auch die katholischen Nachbarorte, die sich bei der Steinfurter Bauernfastnacht die Fastenzeit ein wenig verkürzen konnten. Dieses Fest lockt bis heute zahlreiche Gäste aus dem gesamten nördlichen Münsterland in die Bauerschaften Hollich und Sellen.

Fule in Hollich, um 1950. Bild: Privatbesitz.

Träger und einzelne Elemente des Festprogramms haben sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert, doch die wesentlichen Bestandteile der alten bäuerlichen Fastnacht blieben erhalten. Die heutigen Träger des mittlerweile fest organisierten Brauchtums sind die Schützenvereine der Bauerschaften Sellen-Veltrup und Hollich (der größten Bauerschaft im Münsterland).

Ein auch andernorts bekannter Fastnachtsbrauch ist das sogenannte „Wurstaufholen“ am Rosenmontag. Dabei ziehen die jungen Männer der Bauerschaft in kleinen Gruppen von Haus zu Haus, um Eier und Mettwürste zu sammeln. Alkohol und Bargeld werden auch gerne angenommen. Die Ausbeute wird abends bei einem Gemeinschaftsessen mit anschließendem Tanz verspeist. Was heute gut organisiert und vergleichsweise harmlos verläuft, führte früher häufig zu Ärgernissen – etwa, wenn die Besuchten nichts bzw. nicht genug geben wollten oder die Gäste absolut keine Anstalten machten, das Haus wieder zu verlassen. Dabei spielte natürlich der Alkohol eine ebenso enthemmende wie betäubende Wirkung – je nach Quantum, das aber in jedem Fall reichlich bemessen war.

Fule in Hollich. Foto: Andreas Eiynck.

Ein auch andernorts bekannter Fastnachtsbrauch ist das sogenannte „Wurstaufholen“ am Rosenmontag. Dabei ziehen die jungen Männer der Bauerschaft in kleinen Gruppen von Haus zu Haus, um Eier und Mettwürste zu sammeln. Alkohol und Bargeld werden auch gerne angenommen. Die Ausbeute wird abends bei einem Gemeinschaftsessen mit anschließendem Tanz verspeist. Was heute gut organisiert und vergleichsweise harmlos verläuft, führte früher häufig zu Ärgernissen – etwa, wenn die Besuchten nichts bzw. nicht genug geben wollten oder die Gäste absolut keine Anstalten machten, das Haus wieder zu verlassen. Dabei spielte natürlich der Alkohol eine ebenso enthemmende wie betäubende Wirkung – je nach Quantum, das aber in jedem Fall reichlich bemessen war.

Die eigentliche Fastnachtsfeier fand und findet eine Woche später auf einem Bauernhof statt. Früher durfte stets der ältestgediente Junggeselle in der Bauerschaft das Fest ausrichten, heute findet es bei einem ausgewählten „Fastnachtsbauern“ statt, meistens in einer Scheune oder einem Festzelt.

Dem Fastnachtsbauern bringt die Bauerschaft ein paar Tage vorher die sogenannte „Fule“, ein Ehrenzeichen, an dem viele Freiwillige manchen Abend lang gebastelt haben. Eine „Fule“ besteht aus einem großen herzförmigen Grundgerüst, das mit Glanzpapier und Papierröschen geschmückt wird.

Fule in Sellen. Foto: Andreas Eiynck.

Die äußere Umrahmung bildet eine sogenannte „Hexentreppe“ aus Goldpapier. In der Mitte befindet sich eine Urkunde mit einem gereimten Spruch, der sich auf das Fastnachtsbrauchtum und den Fastnachtsbauern bezieht. Unten an der Fule hängen ein Geldschein, Tütchen mit Zucker, Nüssen und Gewürzen, ein Säckchen mit Reis und ein Beutel mit Neujahrskuchen. Sie sollen die Fule als Glücksbringer charakterisieren. Die Fule wird bei einer kleinen Feier übergeben und an einer gut sichtbaren Stelle im Haus angebracht. Sie gilt als Ehrenzeichen und wird viele Jahre aufbewahrt.

Der Begriff Fule geht wahrscheinlich auf das „fu’en“ mit einem „Fu’enbusch“ zurück, einen Wacholderzweig, mit dem früher am Fastnachtstag von den Knechten, Mägden und Kindern geschlagen wurde, um dafür ein kleines Geschenk zu erhalten. Norbert Humburg beschreibt diesen Brauch in seiner Studie von 1976 zum Städtischen Festnachtsbrauchtum in West- und Ostfalen.

Am Wochenende nach Rosenmontag (alte Fastnacht) findet dann auf dem Hof des Fastnachtsbauern das traditionelle „Buxenbeer“ statt. Früher war dies eine Nachfeier vorzugsweise der jungen Männer der Bauerschaft (daher der Name), heute ist es eine große öffentliche Tanzveranstaltung mit  viel Spaß, Musik und Alkohol.

Höhepunkt des „Buxenbeers“ ist das symbolische Ersäufen eines „Strohkerls“, mit dem die Fastnacht dann auch in den Burgsteinfurter Bauerschaften zu Ende geht. Ein als Frau verkleideter Festteilnehmer schnappt sich eine als Mann gekleidete Strohpuppe. Nach einem Tänzchen geht es mit Musik voraus zu einem Tümpel in der Nähe. Dort wird mit einer feierlichen Abschiedsrede und unter lautem Gejohle der Strohkerl versenkt.

Wurst aufholen in Hollich. Foto: Andreas Eiynck.

Das Markieren des Fastnachtsendes durch das Verschwinden-lassen einer Symbolfigur war früher im Münsterland und weit darüber hinaus allgemein verbreitet. In Burgsteinfurt hat es sich bis heute gehalten. Der dazu passende Spruch aus Sellen lautet:

„Dat auk de Winter weg geit buten

Do wi nu düssen Straukiärl vesupen

Siägen mag Ju brengen de Fuhle,

Den Strauhkiärl schmiet wie in de Kuhle.

Packt an!!!“

Frei übersetzt:

Damit der Winter weg geht draußen

tun wir nun dieses Strohkerl ersaufen

Segen möge Euch bringen die Fuhle

den Strohkerl schmeißen wir in die Kuhle.

Fasst mit an!!!

Kategorie: Aus anderen Sammlungen

Schlagworte: Andreas Eiynck · Nahrung · Jahreszeit · Brauch