Andreas Eiynck
„Den Kopf des Hauses und den Mittelpunkt der Familie bildete der Herd. Er lag ursprünglich reichlich einen Meter von der Hinterwand des Hauses entfernt. Zwischen beiden stand eine große Holzbank, die Unnerherds- oder Reckbank.“ So beschrieb Franz Jostes 1904 in seinem „Westfälischen Trachtenbuch“ ein Möbelstück, dass im 19. Jahrhundert offenbar in jede Küche eines Bauernhauses mit offenem Herdfeuer gehörte.
Umso erstaunlich ist es, dass solche Herdbänke im überlieferten Möbelbestand und auch in den Sammlungen der westfälischen Museen kaum noch vorhanden sind. Herdbänke waren einfache Gebrauchsmöbel, die in den Haushalten einem starken Verschleiß unterworfen waren. Für museale Zwecke unter dem Aspekt der „Volkskunst“ erschienen sie den Sammler:innen zu unscheinbar. Auch in der umfangreichen Literatur zu bäuerlichen Möbeln im westfälischen Raum ist über dieses Möbel wenig zu erfahren.
Aus dem Emsland wird 1907 berichtet: „Hinter dem Herdfeuer stand – und steht noch oft – die Herdbank“. In der dortigen Region sind einige Beispiele dieses Möbeltyps in Fotografien dokumentiert oder als Realien überliefert. Sie stammen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und sind in Bauernhäusern, wo noch eine große Küche mit einer Herdstelle vorhanden ist, vereinzelt noch bis heute in Gebrauch. Bei einer Bestandsaufnahme von historischen Kücheneinrichtungen und Herdstellen im Emsland in den 1990er-Jahren wurden einige dieser Herdbänke vor Ort dokumentiert. Ein Beispiel: