Ein Verein und seine Möbel

10.03.2026 Niklas Regenbrecht

Der Pokalschrank des Gesangvereins Cäcilia Havixbeck.

Andreas Eiynck

Der Gesangverein Cäcilia Havixbeck steht vor den Problemen vieler traditionsreicher Chöre: zu wenig Nachwuchs in der Mitgliederschaft und fehlende Räumlichkeiten. Hinzu kommt, dass sich seit seiner Gründung im Jahr 1860 so allerhand angesammelt hat, vom Notenmaterial über die Vereinsunterlagen bis zu Ehrenurkunden und Siegerpokalen von Sängerwettstreiten.

Zur Unterbringung der Noten und Dokumente verfügte der Verein schon vor dem Ersten Weltkrieg über einen eigens für den Chor gefertigten Notenschrank. Auf der Vorderseite des schlichten Eichenholzmöbels sind in feiner Intarsienarbeit eine Lyra und der Schriftzug „Gesang-Verein Cäcilia Havixbeck“ eingearbeitet. Dieser Schrank hatte einst seinen Platz im Vereinslokal, wo die Mitglieder bei den Chorproben die Noten dann gleich zur Hand hatten.

Zu dem Notenschrank kam ein Pokalschrank hinzu. In ihm wurden Pokale, Siegestrophäen, Erinnerungsteller und andere Auszeichnungen gesammelt, die bei Sangeswettbewerben in den Besitz des erfolgreichen Havixbecker Chores gelangten. Hierfür ließ der Verein 1929 einen eigenen Schrank anfertigen, ein mächtiges Möbelstück von 2,38 Meter Höhe und 2,05 Meter Breite.

Der aufwendig gearbeitete Einrichtungsgegenstand im Stil des Neubarock der 1920er-Jahre („Gelsenkirchener Barock“) ist aus Eichenholz gearbeitet. Der niedrige Unterbau besitzt Fächer mit geschlossenen Schranktüren, in denen man Siegerurkunden und Auszeichnungen sicher verwahren konnte. Die mittlere Tür ist mit einem plastisch geschnitzten Lyramotiv dekoriert. Der große verglaste Aufsatz bietet reichlich Platz für Pokale und andere Trophäen, darunter ein wertvolles Trinkhorn mit Silberbeschlägen, das der Verein in der Zeit um 1900 bei einem Sängerwettbewerb in Meinerzhagen errang.

In das geschwungene Kranzgesims des Schrankes ist ein geschnitztes Wappen der Havixbecker Adelsfamilie von Twickel eingearbeitet, versehen mit dem Schriftzug: „GEW. v. FRH. v. TWICKEL 1929“. Demnach war der Freiherr von Twickel, der sich im Ort sozial und kulturell engagierte, der Stifter des wertvollen Möbelstückes.

Die gläsernen Regalböden im Aufsatz sind so eingearbeitet, dass vor der Rückwand die Vereinsfahne und weitere Wimpel angebracht werden können. Ursprünglich stand dieser Schrank im Vereinslokal und war umrahmt von Urkunden, besonderen Vereinsfotos sowie Wandtellern von Wettbewerben und Jubiläen. Diese Inszenierung des Vereinslebens und der Vereinserfolge bot sicherlich ein eindrucksvolles Gesamtbild.

Doch längst ist das Vereinslokal Geschichte und in den derzeitigen Übungsräumen ist kein Platz für die Möbel, was angesichts der Größe des Pokalschrankes auch nicht verwundert.

Ein Zufall will es, dass der Pokalschrank derzeit in einem Vereinsraum auf Schloss Havixbeck Zuflucht gefunden hat. Aber wohl nur vorübergehend. Wo die Vereinsmöbel und Unterlagen, die Pokale und Trophäen, Bilder und Urkunden von Cäcilia Havixbeck und vieler anderer Gesangvereine langfristig einmal bleiben werden, steht noch in den Sternen.

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