Timo Luks
Industriefotografie erlangte im 20. Jahrhundert – vor allem nach dem Ersten Weltkrieg – eine enorme Bedeutung. Einige große Unternehmen richteten eigene fotografische Abteilungen ein, die Arbeitsprozesse, Maschinenhallen, Bauvorhaben, Betriebsveranstaltungen sowie Arbeiter und Angestellte im Bild festhielten (vgl. https://www.alltagskultur.lwl.org/de/blog/bilder-am-laufenden-band-fotografen-des-bochumer-vereins-fur-gussstahlfabrikation/). Die Aufnahmen dienten in der Regel der betriebssozialen Integration nach innen, die – oft mit anti-gewerkschaftlicher Stoßrichtung – die „Werks-“ beziehungsweise „Betriebsgemeinschaft“ inszenierte und performativ herstellen wollte. Nach außen wiederum sollte die gegenüber nostalgischen Verklärungen handwerklicher Arbeit oft kritisch gesehene Fabrik- und Maschinenarbeit aufgewertet werden. Fotografien trugen dazu bei, Industriebetriebe einerseits als sozial und räumlich geordnetes Ganzes zu inszenieren und andererseits die Stellung des Menschen innerhalb dieser Ordnung sichtbar zu machen. Gerade im Kontext der Rationalisierungsdebatten der Zwischenkriegszeit ging es darum, technische, soziale und „humane“ Faktoren in Einklang zu bringen.
Neben Werksfotografen im engeren Sinn, die beim fraglichen Unternehmen angestellt waren, betätigten sich auch Journalisten und Publizisten im Bereich der Industriefotografie, beispielsweise Heinrich Hauser, der seit Ende der 1920er Jahre eine Reihe von Fotoreportagen und Bildbänden zu den Opelwerken in Rüsselsheim vorlegte, teilweise im Auftrag des Unternehmens. Nicht zuletzt zogen Industriemotive zahlreiche unabhängige, professionelle und Hobbyfotografen an, so etwa den Iserlohner Theo Klein-Happe (1894–1970). Um zwei seiner Bilder soll es nun gehen.
Beide Fotos stammen aus der umfangreichen Sammlung, die sich im Archiv für Alltagskultur in Westfalen befindet. In den 1920er Jahren war Theo Klein-Happe Fotograf bei der UFA in Berlin. 1929 machte er sich in Iserlohn mit einem Fotostudio selbständig. Im Mai 1933 trat er in die NSDAP ein und dokumentierte in der Folge regionale Parteiveranstaltungen. Vor allem fotografierte er jedoch über Jahrzehnte unzählige Freizeitaktivitäten in der näheren und ferneren Umgebung Iserlohns. Zudem hielt er Szenen der Arbeit fest: Handwerk, Baustellen, Erntearbeit und vereinzelt Fabrikszenen. Die Bilder, um die es hier geht, stammen aus der (frühen) Iserlohner Zeit, auch wenn eine genaue Datierung nicht mehr möglich ist. Vermutlich wurden sie in den 1930er-Jahren aufgenommen.