Schwerpunkt Arbeit(en): „Zur Stütze der Hausfrau“. Ein Ratgeber für erfahrene Landwirtinnen und diejenigen, die es werden wollten

07.04.2026 Niklas Regenbrecht

Dorn, Hedwig: Zur Stütze der Hausfrau. Lehrbuch für angehende und Nachschalgewerk für erfahrene Landwirtinnen in allen Fragen des Anteils der Frau an der ländlichen Wirtschaft. Berlin 1887.

Christiane Cantauw

1887 erschien in dem wenige Jahre zuvor gegründeten Berliner Verlag Paul Parey ein „Lehrbuch für angehende und ein Nachschlagewerk für erfahrene Landwirtinnen“. Autorin des mit „Zur Stütze der Hausfrau“ übertitelten 556 Seiten umfassenden Druckwerkes war die 1842 geborene Hedwig Dorn. Sie hatte es sich laut Vorwort zur Aufgabe gemacht, Landwirtsfrauen, Gehilfinnen und Wirtschafterinnen einen Ratgeber an die Hand zu geben, damit sie dem Hausherrn „eine fröhliche, getreue Mithelferin in seinem ländlichen Wirkungskreise [sein] […], seine Interessen zu den ihrigen [machen und] […] ihm sein Leben so behaglich als möglich […] gestalten“ konnten. (S. III)

Die erste Auflage des Nachschlagewerkes wurde zum Preis von fünf Mark angeboten. Bis 1922 gab es neun weitere Auflagen. Inflationsbedingt kostete die 10. verbesserte Auflage im Oktober 1922 806 Mark, im Juli desselben Jahres war sie noch für 199 Mark angeboten worden.

Verbreitung fand das Druckwerk nicht zuletzt in ländlichen Haushaltungsschulen und als „Geschenk für junge Landwirtsfrauen“. 1902 fand sich beispielsweise ein Gönner der landwirtschaftlichen Lehranstalt von Käthe Ehrenberg im westfälischen Hagen bereit, allen Schülerinnen des aktuellen Kurses das Handbuch als Geschenk zu stiften (Westf. Tageblatt, 14.3.1902). Im Kriegsjahr 1917 kam eine neubearbeitete Ausgabe auf den Markt, die „den veränderten, äußerste Sparsamkeit bedingenden Verhältnissen Rechnung“ trug (Kölnische Zeitung, 14.1.1917). Auch das hielt das Interesse des Publikums an der Publikation hoch.     

Was ist das für ein Buch, welches – in immer wieder überarbeiteter Form – mindestens 35 Jahre lang seinen Stellenwert als Lehr- und Nachschlagewerk für die ländliche Hauswirtschaft behaupten konnte? Hedwig Dorn, die Autorin, hieß eigentlich Hedwig Dormeyer und war seit 1889 Leiterin eines Haushaltungs-Instituts in der Kleinstadt Eberswalde, nördlich von Berlin. Sie stammte ursprünglich aus Schlesien und hatte sich „als Städterin“ auf einen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb verheiratet. Erklärtermaßen um ihre eigenen Erfahrungen weiterzugeben, wollte sie mit einem auf eine ländliche weibliche Klientel zugeschnittenen Ratgeber der zunehmenden Nachfrage nach Lehrwerken nachkommen, die sich (auch) für den Unterricht in ländlichen Haushaltungsschulen eigneten. Diese entsprachen der Forderung nach Rationalisierung, Modernisierung und Professionalisierung aller und damit auch der sogenannt weiblichen Arbeitsbereiche, mit der man in der Landwirtschaft auf Industrialisierung, Mechanisierung und Arbeitskräftemangel reagierte.

Die Publikation fand auch in Westfalen und im Rheinland eine geneigte Leser:innenschaft, wenn auch Gutshöfe wie diejenigen, an denen sich Hedwig Dorn orientierte, hier kaum vertreten waren. Was für ein Haushalt der Verfasserin vorschwebte, lässt sich dem ersten Kapitel über die häusliche Wirtschaft entnehmen. Darin beschreibt Dorn das „Herrenhaus“ mit seinen verschiedenen Etagen und den Wirtschaftsräumen. Zu den letzteren zählen die Küche, ein Raum für „Feuerungsmaterial“, die Backstube, ein Zimmer für die Hausmädchen, die Speisekammer, der Kartoffelkeller, der Petroleumkeller, die Fleischkammer, der Bierkeller, der Weinkeller, die Waschküche, die Roll- und Plättstube sowie eine Wirtschaftslaube für den Sommer. (S. 9-13) Ähnlich geräumig dachte sich die Autorin auch die Wohnräume der Bauernfamilie.  

Die „Herrin des Gutes“ sollte – so Dorn – „ein leuchtendes Beispiel werden für so viele, die unter ihrer Obhut stehen“. Und weiter: „Gehen von oben herab Fleiß und Ordnung, Pünktlichkeit und treue Pflichterfüllung, gepaart mit rechter Sparsamkeit, wahrer Gottesfurcht aus, so brechen sich auch diese Tugenden unter den Untergebenen Bahn“ (S.13). Das war ein hehrer Anspruch, der vor allem auf die Ausbildung charakterlicher Eigenschaften abzielte. Weil die eigentliche Arbeit als von Dienstboten verrichtete gedacht war, blieben der Hausherrin die vorbildgebende Wirkung eines tadellosen Charakters und ein fundiertes, eher theoretisches Wissen um alle Arbeitsgänge und Erfordernisse. Dementsprechend erläutert sie in Wort und Bild die Reinigung des Hauses, das Brennmaterial, die Wäsche, die weibliche Handarbeit, die Gastlichkeit, Molkereiwesen, Viehzucht, Bienenzucht und Garten sowie die Zubereitung von Speisen und Getränken und die Pflege der Gesundheit.

Die Beziehungen im Herrenhaus denkt sich Dorn als geschlechtsspezifisch und hierarchisch. Die Hausfrau ist gegenüber den weiblichen Dienstboten – hier benutzt Dorn entweder die Bezeichnung „Mägde“ oder den städtisch-bürgerlichen Terminus – in allen Arbeitsangelegenheiten weisungsbefugt: „Wie ein Feldherr durch seine Adjutanten seine Armee leitet, so hält auch sie [die Hausfrau] mit Hilfe ihrer Stütze ihr kleines Regiment in militärischer Ordnung und weiß zu jeder Zeit, was ihre Untergebenen augenblicklich zu thun und zu lassen haben.“ (S.18)

Dass Hedwig Dorn sich mit vielen ihrer Empfehlungen und Ratschläge am Puls der Zeit befand, zeigt beispielsweise das Kapitel zur Wäschepflege, in dem auch das in den 1870er Jahren zunehmend beliebte Glanzplätten erläutert wird. Auch die Abbildung einer „amerikanische[n] Wringmaschine“, Tipps zur Wäsche von schwarzem Cashmere oder Seide und zum Umgang mit Glacéhandschuhen („man nehme zu Ausfahrten stets zwei Paar mit und benütze die besseren erst beim Verlassen des Wagens“ (S.67)) und die Erörterung der Vorteile einer Bedienung am Tisch im Vergleich zu einer Essenseinladung mit Buffet fehlen nicht.

Ein gehobener Lebensstil, der sich beispielsweise in der Größe des Hauses, in Kleidung, Mobiliar und gesellschaftlichen Umgangsformen ausdrücken sollte, verbindet sich im Lehrbuch von Hedwig Dorn mit moderner Betriebsführung, zu der auch neuere Maschinen (beispielsweise eine fahrbare Teppichbürste oder eine Zentrifugalmaschine zum Schleudern des Honigs), Methoden und Arbeitsfelder (Champignonzucht) gehören. Das alles wird in einem sachlichen Schreibstil vermittelt, der für das ausgehende 19. Jahrhundert fast ungewöhnlich ist. Hinter all dem scheint aber auch der unbedingte Wille auf, die Wirtschaftlichkeit der Gutshöfe zu erhöhen, ohne die tradierten Geschlechterrollen in Frage zu stellen.

Letzteres fand auch in der Presse Zustimmung. So heißt es 1887 in der Landwirtschaftlichen Zeitung für Westfalen und Lippe über das Lehrbuch von Hedwig Dorn, dass es dazu beitragen wolle und werde, „daß da Friede sei im Hause und dem Manne ein Wohlgefallen“.   

 

Quellen und Literatur:

Albers, Helene: Zwischen Hof, Haushalt und Familie. Bäuerinnen in Westfalen-Lippe (1920 – 1960). Paderborn/München/Wien/Zürich 2001.

Dorn, Hedwig: Zur Stütze der Hausfrau. Lehrbuch für angehende und Nachschalgewerk für erfahrene Landwirtinnen in allen Fragen des Anteils der Frau an der ländlichen Wirtschaft. Berlin 1887

von Eichfels, Rosa: Praktische Anleitung zur schnellen und gründlichen Erlernung der Brillant-Glanz-Plätterei (Bügelei) nach amerikanischem und französischem System sowie der Berliner Kunst-Plätterei. Leipzig [1878]