17.03.2020

Gertraud, den Garten baut!

Für den 17. März liegen im Archiv für Alltagsgeschichte zahlreiche Wetterregeln vor. Bei allen geht es um den Beginn der Garten- und Feldarbeit. Foto: LWL/Cantauw.

Gertraud, den Garten baut!

Der 17. März war ein Stichtag für die Gartenarbeit

Christiane Cantauw

 

Der 17. März als derjenige Tag, der dem Andenken der hl. Gertrud geweiht war, galt als Stichtag für den Beginn der Gartenarbeiten: "Gertraud / den Garten baut", hieß es sprichwörtlich, oder „Ist’s an St. Gertrud sonnig, wird’s dem Garten wonnig“. Die Beete sollten an diesem Tag umgegraben sein und überhaupt sollte der Garten den Eindruck erwecken, dass sein/e Besitzer/in hier schon einige Zeit gearbeitet hatte. Auch für die Feldarbeit war der Namenstag der heiligen Gertrud offenbar ein Startschuss: „Sünte Gertrud drift den Plog harut“ (Die heilige Gertrud treibt den Pflug heraus), heißt es in einer Wetterregel, die im Archiv für Alltagskultur bewahrt wird.

Die Verknüpfung von bestimmten Arbeiten in Haus und Hof mit Heiligengedenktagen zeigt ganz deutlich die Durchdringung des Alltags durch den christlichen Glauben, die noch bis in die 1960er Jahre hinein feststellbar ist. Für die jahreszeitlich wechselnden Aufgaben, Pflichten und Termine wie Beginn der Garten- und Feldarbeit, Gesindewechsel oder Abgaben galten die Heiligengedenktage als Merkhilfe.  

Mit dem Leben der jeweiligen Heiligen hatten die Stichtage meist nur auf einer ganz allgemeinen Ebene etwas zu tun: So ist der 17. März dem Gedenken an die heilige Gertrud von Nivelles gewidmet. Sie lebte im 7. Jahrhundert und war eine Tochter von Pippin dem Älteren. Als Äbtissin eines von ihrer Mutter gegründeten Klosters bemühte sie sich vor allem um die Bildung der weiblichen Jugend. Ihr außerordentlicher Eifer für die Betreuung von Kranken, Witwen, Pilgern und Gefangenen ließ sie zur besonderen Patronin von Spitälern werden, die im Mittelalter vielerorts ihren Namen tragen. Ihr Gebet vertrieb der Legende nach eine Mäuse- und Rattenplage und rettete damit die Ernte in der Gegend, weshalb die Heilige in der Regel mit einer Maus als Attribut dargestellt wird. Aus dem letzteren Grund ist sie wohl auch für die Garten- und Feldarbeit „zuständig“.

Für den 17. März liegen im Archiv für Alltagsgeschichte zahlreiche Wetterregeln vor. Bei allen geht es um den Beginn der Garten- und Feldarbeit. Foto: LWL/Cantauw.

Hinter solchen Stichtagen wie dem Gertrudentag stehen häufig überlieferte Beobachtungen des Klimas, die bestimmte Termine für land- und hauswirtschaftliche Tätigkeiten als günstig nahelegten. Dies spiegelt beispielsweise auch das „Gärtnerische Tagebuch“ von Ernst Wöstmann, für das dieser einen vom Obst- und Gemüseverband Westfalen und Lippe herausgegebenen Vordruck benutzte. Das Gartenjahr in dem Lehrbetrieb von Wöstmann, der Firma Gebr. Tewes, Hamm, beginnt just in der 11. Kalenderwoche, d.h. in der Woche, in der auch der Gertrudentag liegt.

Unter dem Datum 17. März notiert der Gärtnerlehrling Ernst Wöstmann aus Heessen in seinem Tagebuch aus dem Jahr 1934/35, das im Archiv für Alltagskultur (Sign. K 2878) vorliegt: „Große-Bohnen: Rest, der im Hause in Kästen vorgetrieben, nach draußen gebracht. Spinat: (…) zum Vorkeimen mit dem Sand untermischt. Entwässerung: Im Garten ließ die Firma wegen großer Feuchtigkeit Drainagerohre legen“.

Das Wetter am 17. März 1934, das Wöstmann ebenfalls akribisch notierte, hielt übrigen Regen bei Temperaturen zwischen 4 und 6 Grad bereit.  

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