08.05.2020

Maria Maienkönigin

Mariengrotte in Gersten (Emsland).

Der Marienmonat Mai

Andreas Eiynck

Marienverehrung gehört zur katholischen Kirche wie der Papst und der Zölibat – man muss sie nicht haben, aber mit ihnen ist es schöner und feierlicher. Angeblich manches auch einfacher.

Wenn Gottes Sohn Mensch geworden ist, so lautet die theologische Überlegung, dann hatte er auch eine Mutter – die biblisch überlieferte Frau Maria. Und wenn die Christen alle Schwestern und Brüder des Herrn sind, dann ist Maria die Mutter der Christenheit. Welche Mutter aber könnte ihren Kindern in einer Notlage die Fürsprache verweigern? Ein tröstliches Konzept.

Wenn das Frühjahr erwacht ist, wenn die Fastenzeit und Ostern überstanden sind und die Natur sich in ihrer schönsten Pracht zeigt, dann feiern die Katholiken ihren Marienmonat Mai – früher mehr, heute meistens weniger.

In meiner Kindheit im Münsterland fehlte in kaum einem Haus ein Marienbild, das in diesem Monat mit Blumen und Kerzen geschmückt wurde. In vielen Familien betete man im Mai den Rosenkranz – für eine gute Ernte, gegen die Krankheit von Oma oder um irgendeinen anderen guten Zweck. Hinzu kamen die Marienlieder in den Sonntagsgottesdiensten und die sogenannten Maiandachten.

Heute läuft der Marienmonat im häuslichen Umfeld der meisten katholischen Familien weitgehend säkular ab. Der Glaube muss organisiert werden, z.B. in der kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands), übrigens der größten Frauenorganisation in der Bundesrepublik. Im Mai steht dort allerorten eine Marienandacht auf dem Programm, natürlich an einer besonderen Location draußen in der Natur – meist einer kleinen Marienkapelle oder an einem Marienbild in der offenen Landschaft. Mit dem Fahrrad fährt man gemeinsam dorthin, anschließend gibt es irgendwo bei einem Spargelessen einen gemütlichen Ausklang. Leib und Seele, Gemeinschaft und Glaube, das gehört eben für viele zusammen. Und an Anliegen für die Marienandacht fehlt es auch in modernen Zeiten nicht.

Der Mai ist auch die große Zeit der Wallfahrten zu Maria. Telgte, Werl und Kevelaer sind die bekanntesten Marienwallfahrtsorte in Nordwestdeuschland, hinzu kommen kleinere Wallfahrtsziele wie Eggerode, Bethen bei Cloppenburg, Wietmarschen in der Grafschaft Bentheim und nicht zuletzt der umstrittene Ort einer Marienerscheinung im emsländischen Heede – heute ein Treffpunt der katholischen „Ultras“. Neben den großen Massenwallfahrten (soweit man dort heute noch von Massen sprechen kann) gibt es die zahlreichen Gruppenwallfahrten per Bus, per Fahrrad und zunehmend auch wieder zu Fuß – Hape Kerkeling lässt grüßen. Denn auch die Einzelpilger sind im Mai in großer Zahl unterwegs, um Kerzen zu entzünden, Gebete zu sprechen und sich für ihren Glauben auf den Weg zu machen.

In diesem Jahr ist im Marienmonat alles anders. Sogar die Jubiläumswallfahrt in meinen geliebten Wallfahrtsort Wietmarschen musste abgeblasen werden. Das tut weh. Darum war ich bei schönstem Maiwetter mit einem Freund schon mal dort hin. Wir trafen – zufällig und auf Distanz – ein paar weitere Freunde, die wohl den gleichen Gedanken hatten. Und die Gottesmutter trafen wir natürlich auch. Ein schöner Tag, 42 Kilometer zu Fuß, gute Gespräche unterwegs, am Ende total kaputt und ein paar Blasen unter den Füßen, die uns noch lange an diesen Tag erinnern werden. Das Leben ist eben kein Ponyhof, aber mit Maria geht’s nicht nur im Marienmonat leichter.

 

Die Fotos in diesem Beitrag wurden von Andreas Eiynck aufgenommen.

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