In den 1920er Jahren hatte sich das Weberdorf Emsdetten längst zu einem Zentrum der deutschen Juteindustrie entwickelt. Viele Jahrzehnte lang prägten die Jutefabriken das Bild und den Alltag der Gemeinde. Seit den 1960er-Jahren erfasste die Textilkrise auch diese Branche. Der Masseneinsatz von Jute als Verpackungsmaterial ging zurück, ausländische Konkurrenten produzierten billiger und die Jutefabriken mussten eine nach der anderen ihre Produktion einstellen.
Um diese Zeit merkte man im August Holländer Museum, dass die bisherige Konzeption als Heimatstube mit Handwerksabteilung für die Besucher nicht mehr attraktiv und nicht mehr zukunftsfähig war. Daher wurde gemeinsam mit dem Westfälischen Museumsamt und unter Beteiligung von Fachleuten eine Neukonzeption erarbeitet.
Die Stadt ließ eines der letzten Wannenmacherhäuser des Ortes in den Park des Museums translozieren und richtete es 1985 als Wannenmachermuseum ein. Für das benachbarte August Holländer Museum entwickelte der Historiker Josef F.H. Steinhart in den Jahren 1988 bis 1990 ein neues Konzept, in dem das Zeitalter der Textilindustrie (1870 – etwa 1965) den Schwerpunkt bildete.
Dem alten Handwebstuhl und den Geräten zur Flachsverarbeitung wurden Industriewebstühle und weitere Maschinen aus den Jutefabriken gegenübergestellt. Viele Erläuterungen mit Texten und Bildern schilderten den Aufstieg, die Produktionsweise und die Bedeutung der Juteindustrie für Emsdetten. Zeitzeugen steuerten ihr Fachwissen zu Themen und Objekten bei, so dass die Ausstellung einen umfassenden Einblick in das Thema „Jute“ vermittelte. Im eigens ausgebauten Dachgeschoss des Museums zeigte eine neue Ausstellungseinheit das Alltagsleben in einer Textilarbeiterstadt im Münsterland unter verschiedenen Aspekten wie Wohnen, Bildung, Vereine, Kirche usw.
In dieser Ausstellung fanden Besucher:innen auf vielen Texttafeln eine umfassende und gut recherchierte, zum Teil aber eben auch sehr detaillierte Darstellung der Schwerpunktthemen. Frühere Beschäftigte aus den Jutefabriken konnten hier mit ihren persönlichen Erinnerungen und Kenntnissen anknüpfen. Das Museum bildete einen Ort, an dem das Wissen und die Erinnerung an die Juteproduktion in Emsdetten für die Zukunft bewahrt bleiben sollten.
Drei Jahrzehnte später kam eine neue Besuchergeneration mit anderem Wissenshorizont und Erfahrungen sowie veränderten Seh- und Lesegewohnheiten. Damit änderten sich auch die Ansprüche an einen Museumsbesuch. Darauf reagierte die Stadt Emsdetten als Trägerin des Museums mit einem großen Bauprojekt.
2019 wurde das Museum um eine neue Eingangshalle und einen Veranstaltungsraum erweitert. Anschließend nutzten die Kommune als Eigentümerin und der Heimatbund als Betreiber die Gelegenheit des Umbaus dazu, auch die Ausstellung zu überarbeiten. Die konkrete Umsetzung lag in den Händen einer Arbeitsgruppe aus Vertreter:innen von Stadt, Archiv und Heimatbund, die sich, wo nötig, externe Beratung einholten.
Die neue Präsentation beginnt mit einer kurzen Darstellung zur Person des Museumsgründers August Holländer und erklärt damit gleichzeitig den Namen des Museums. Die traditionelle Leinenproduktion vom Flachsanbau bis zum Handwebstuhl bildet die erste textile Ausstellungseinheit. Ihr gegenüber stehen die Maschinen aus der Juteindustrie. Die Juteverarbeitung wird in mehreren Arbeitsschritten präsentiert und durch Großfotos und Filme erläutert. Ein zentrales Ausstellungselement bildet dabei die „Stempeluhr“, also die mechanische Arbeitszeiterfassung, denn hier berührten sich Mensch und Technik mit Zeit und Geld – ein Symbol für den Kapitalismus im Industriezeitalter.