Generation Y – „Man bin ich cool man!“
Einen ausführlichen Artikel im „Stern“ unter der Überschrift „Generation Y. Die Sechzehnjährigen“ war eine komplette Ausgabe der Petershagener Schülerzeitung „Il Fiasco“ im Juni 1999 gewidmet. Auf deren Titel ist ein Junge mit Baseballcap zu sehen; er sagt „Man bin ich cool man!“. Ferner enthält die Titelseite den Hinweis auf den Leitartikel (Autorenkürzel ROE): „Was Soziologen von unserer Generation halten.“ Letzterer trägt die Überschrift „I‘ m cool man ... Ne PHAT“. Er zitiert ausschnittweise Sätze aus dem Bericht im Stern, auf der ersten Seite umrahmt der Text ein großes Y, das Generationenlabel, um das es geht. Ein ironischer Tenor durchzieht den Beitrag, hier ein Auszug: „Bist zu ca. 16 Jahre alt und findest manches so unheimlich cool? Dann bist du leider total out. Es heißt nämlich unter Hiphoppern nicht mehr cool, sondern du müsstest dann schon sagen: ‚das ist phat (sprich: fett).‘ Cool, oder etwa nicht? […] Laut ein paar ‚Soziologen‘ gehörst du nämlich ansonsten nicht mehr den ‚no-future-kids‘ der sogenannten Generation X an, sondern der neuen, der tollen, der individuellen Generation Y.“ Im Fazit, Jugendliche täten „gut daran, alles selbst in die Hand zu nehmen.“ Denn „Individualität“ sei nach Erkenntnissen der Jugendforschung das zentrale Merkmal der Generation Y.
Titelseite und zitierter Text aus dieser Petershagener Schülerzeitung 1999 sind voller Anspielungen für die jugendlichen Leser*innen. So bezieht sich der Slogan „I’ m cool man“ auf einem Song, der in den ersten Monaten des Jahres 1995 kurzzeitig Platz fünf der deutschen Single-Charts eroberte. Dieser bezieht sich auf den Werbetext des Schweizer Musikers Peter Steiner, der mit einem alten Mann in den Bergen für Milka-Schokolade wirbt; der Spot beginnt so: „Ah – ein Stadtmensch! Sie glauben wohl auch, dass wir hier oben etwas altmodisch sind. Aber das stimmt nicht.“ Der letzte Satz lautet: „Aber Vorsicht: It’ s cool, man!“. Mit Bezug auf diesen Werbespot stellte die Petershagener „Fiasco“-Redaktion also auf witzige Weise schematische Darstellungen von Jung und Alt sowie Stadt und Land in Frage. Sie spielte auf intelligente – eigensinnige – Weise mit damals bekannten Versatzstücken wissenschaftlicher und medialer generationeller Selbst- und Fremdzuschreibungen.
Zwischen manchen der skizzierten Themen, die in den Schülerzeitungen zur Sprache kamen und aktuell virulenten Problemen sind unschwer Zusammenhänge herzustellen. Kritik an politisch Verantwortlichen, skeptische Distanz gegenüber Urteilen Erwachsener und der Anspruch, eigene Wege zu gehen, ziehen sich als rote Fäden durch Selbstzeugnisse und persönliche Rückblicke und gewinnen in westfälischen Quellen auf anschauliche, vielleicht auch hin und wieder überraschende Weise Konturen.
Quellen
Sammlung Schülerzeitungen des Archivs für Alltagskultur, Münster
Literatur und Internetverweise
Alexander Sutherland Neill: Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung. Das Beispiel Summerhill, Reinbek 1969.
Andreas Albes: Generation Y. Die Sechzehnjährigen, in: Stern 13, März 1999, S. 76-88.
Barbara Tuchman: Wann ereignet sich Geschichte, in: dies.: In Geschichte denken. Essays, Düsseldorf 1982, S. 33-39.
Erich Fromm: Die Kunst des Liebens, (deutsch zuerst 1980) München 2007.
Hans-Peter Schwarz: Die neueste Zeitgeschichte, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 51, 1, 2003, S. 5-28.
Kaspar Maase: Farbige Bescheidenheit. Anmerkungen zu einem postheroischen Generationsverständnis, in: Ulrike Jureit, Michael Wildt (Hg.): Generationen. Zur Relevanz eines wissenschaftlichen Grundbegriffs, Hamburg 2005, S. 220-242.
Niklas Regenbrecht: Radieschen, Rotkehlchen und Papperlapapp. Das Archiv für Alltagskultur übernimmt Schüler- und Abiturzeitungen aus Petershagen, https://www.alltagskultur.lwl.org/de/blog/archiv-fur-alltagskultur-uebernimmt-schuelerzeitungen/ (zuletzt aufgerufen am 28.11.2025).
XXL feat. Peter ‚Cool Man‘ Steiner: https://www.offiziellecharts.de/charts/titel-details-2925 (zuletzt aufgerufen am 1.12.2025).