Als Lanz-Bulldogs durch die Stadt bollerten

30.10.2026 Niklas Regenbrecht

Nagelneue Lanz-Bulldogs stehen bei Kuhlmanns entlang der Salzuflener Straße in Valdorf. Aus einer Dorfschmiede wurde ein florierender Landmaschinenhandel. Foto: Kuhlmann.

Bulldogs, Heuwender und die Schmiede im Dorf: Wie die Brüder Kuhlmann den Dorftreffpunkt Schmiede im Vlothoer Ortsteil Valdorf prägten. An der Salzuflener Straße war immer viel Betrieb

Christoph Mörstedt

Es war schon eine Schau. Immer wenn die Kuhlmanns einen Schwung Traktoren von den Eisenbahnwaggons im Vlothoer Bahnhof abgeladen hatten, machte sich eine regelrechte Kolonne nagelneuer Lanz-Bulldogs auf den Weg: Einmal längs durch die Stadt zu Berg nach Valdorf-West, wo die Landmaschinenfirma ihren Sitz hatte. Der typische Sound – kult, kult, kult – der einzylindrigen Zugmaschinen aus Mannheim war unterwegs nicht zu überhören.

Traktoren des Herstellers Lanz aus Mannheim hatten nur einen Zylinder. Ihr Sound war unüberhörbar. Heute sind sie begehrte Sammlerstücke.

Die Landmaschinenfirma Kuhlmann war gut im Geschäft. Die Brüder Fritz und Hermann verkauften den Bauern der Umgegend an Maschinen und Geräten alles, was gebraucht wurde: Heuwender und Pflüge, Mähbinder und Heurechen, Dreschkästen, Strohschneider, Pflanzgeräte und eben Traktoren, neben den kernigen Bulldogs von Lanz auch Zugmaschinen von Zettelmeyer. Was kaputt ging, wurde am Ort repariert. So war immer viel Betrieb bei Kuhlmanns an der Salzuflener Straße, sechs Leute arbeiteten mit und die alte Schmiede war ein viel besuchter Treffpunkt im Dorf.

Während der 1950er Jahre nahm die Mechanisierung der Landwirtschaft Fahrt auf. Die Bauern konnten immer mehr Maschinen gebrauchen – und bezahlen. Foto: Kuhlmann.

Kein Dorf ohne Schmied

Heinrich Kuhlmann war Schmiedemeister auf der Weserhütte in Bad Oeynhausen. Er heiratete eine Valdorferin und machte sich 1903 ebendort selbstständig. Einen Schmied brauchte seinerzeit jedes Dorf. Ständig war etwas aus Eisen und Stahl zu reparieren oder für Haus und Hof neu anzufertigen; man denke nur an Wagenräder und Pferdehufe. Während des Ersten Weltkriegs war er in Frankreich in Feldartillerieregimentern kriegsverpflichtet, der Betrieb in Valdorf geschlossen. Die Familie hielt sich mit Hamstern und dem Verkauf von entbehrlichem Schmiedeinventar über Wasser. Dabei kamen schon die Kinder viel in der Gegend herum und kannten sich bald bei den Bauern gut aus. Die vertrauensvollen Kontakte kamen ihnen zugute, als die Brüder Fritz und Hermann in den 1920er Jahren den elterlichen Betrieb nach und nach übernahmen. Ihr Bruder Heinrich jun. gründete in Eidinghausen einen eigenen Betrieb. Während Fritz der Techniker war, hatte Hermann das Talent zum Kaufmann. Ihre Schwester Lina arbeitete in der Buchführung mit – ein typischer Familienbetrieb mit verteilten Aufgaben.

Zeitzeugen: Wolfgang, Heinz und Harald Kuhlmann, Nachkommen von Heinrich Kuhlmann. Foto: Christoph Mörstedt.

An all dies erinnern sich die Enkel des Firmengründers Heinrich Kuhlmann noch gut, so dass wir die Geschichte von der Valdorfer Schmiede und dem was aus ihr geworden ist, erzählen können. Auch der Valdorfer Chronist Karl Grossmann schildert in seiner Dorfgeschichte die Firma Kuhlmann als „heute führend auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Maschinen“. Er betont, wie entscheidend wichtig es für den Fortschritt gewesen sei, dass Valdorf 1922-24 an das öffentliche Stromnetz angeschlossen wurde. Das hat sicherlich auch die Kuhlmanns beflügelt. Sie verkauften nicht nur Maschinen fremder Hersteller, sondern konstruierten selbst.

Die Kuhlmanns präsentierten ihre Produkte auf einer Ausstellung für Landmaschinen. Foto: Kuhlmann.

So zum Beispiel eine Schrotmühle nach eigenem Patent, ein „Dibbelgerät“ zum Säen und einen „Förderwalzen-Eintuchbinder“, welcher nur deshalb kein durchschlagender Erfolg wurde, weil schon bald die Mähdrescher alle erdenklichen Mähbinder und Bindemäher ablösten. Dann hatte Fritz Kuhlmann die Idee mit der Tankstelle.

Die Tankstelle an der Salzuflener Straße besteht noch heute. Der Landmaschinenbetrieb ist bald nach dem Tod von Hermann Kuhlmann 1959 eingestellt worden. Nachfolgeversuche waren nicht erfolgreich. Die Gebäude sind noch da, aber man sieht ihnen den früheren Zweck nicht mehr an. Eine Schmiede braucht das Dorf nicht mehr.

Heinrich Kuhlmann, Valdorfs Bürgermeister. Foto: Kuhlmann.

Schmied und Bürgermeister

Heinrich Kuhlmann sen., den Dorfschmied, wählten die Leute von Valdorf zu ihrem Bürgermeister. Offenbar besaß er das Vertrauen der Menschen vor Ort. Es ist überliefert, dass er sich für die Gründung des Simeonstifts als Altenheim in Valdorf eingesetzt hat. Als 1931 bei einem Hochwasser der Linnenbeeke Anwohner des Bachs obdachlos geworden waren, hat er sich für finanzielle Hilfen stark gemacht. 1933 setzten ihn die Nationalsozialisten ab.

 

 

Zuerst erschienen in: HF-Magazin. Heimatkundliche Beiträge aus dem Kreis Herford, Nr. 138, 16.09.2026, herausgegeben von der Neuen Westfälischen.

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