Jannik Richter
„Westfalen ist mehr als nur ein Regendach“ ist die Überschrift eines neunseitigen Textbeitrags von Walther Stennes, der als einer von 50 Artikeln in dem 1978 erschienenen Sammelband „Westfalen unter sich über sich“ abgedruckt wurde. Was zunächst wie ein unscheinbarer Kurztext in einem wenig bemerkenswerten Stück Heimatliteratur anmutet, ist tatsächlich ein Selbstzeugnis aus dem Leben eines umtriebigen Nationalsozialisten.
Walther Stennes mag dem einen oder anderen vielleicht als SA-Führer in Berlin bekannt sein, der 1931 mit Hitlers Legalitätskurs brach und eine Revolte von Teilen der SA gegen die Partei durchführte – in diesem Zusammenhang taucht er übrigens auch in der Fernsehserie „Babylon Berlin“ auf. Abseits der Geschichtsschreibung ist der weitere Werdegang von Stennes den meisten Menschen aber wohl eher unbekannt, obwohl Stennes selbst sich seit den 1950er Jahren sehr um öffentliche Wahrnehmung –unter anderem als Gegner des Nationalsozialismus – bemühte.
Diesem Bemühen um eine positive Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit war es wohl auch geschuldet, dass Stennes die Einladung von Rainer Schepper annahm, einen Text zu einem Sammelband unter dem Titel „Westfalen unter sich über sich“ beizusteuern. Bei dem Sammelband handelt es sich um ein Veröffentlichungsprojekt, das – so das Vorwort des Herausgebers – von dem Frankfurter Verleger Wolfgang Weidlich (1928 – 2019) angestoßen worden war. Die Publikation entsprach von ihrem Zuschnitt her dem Verlagsprogramm, waren dort in den 1960er und 1970er Jahren doch auch weitere populäre Schriften mit regionalspezifischem Zuschnitt erschienen. Darunter finden sich Titel wie „Typisch sächsisch – Das Hausbuch des sächsischen Humors“ (1976) oder „Burgen und Schlösser in Württemberg und Hohenzollern.“ (1959).