Anna Seidel
„Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet“, so betitelt die Autorin Slata Roschal ihren im Sommer 2026 erscheinenden Roman. Kurz vor der Veröffentlichung hatte sie noch Auszüge davon beim Bachmannpreis im österreichischen Klagenfurt gelesen – und für Aufsehen gesorgt, weil sie sich anschließend entgegen den Gepflogenheiten der Jury-Diskussion entzog. Gelesen hatte sie aber eben doch aus ihrem Text, der schon im Titel die Aufmerksamkeit auf eine Berufsgruppe lenkt, die oft übersehen wird, weil ihre Arbeit meist unsichtbar ist: „Nummer siebzehn ist weg zum Frühstück, denkt Hana um neun Uhr fünfzehn. Ich klopfe. Halte die Karte ran, rolle den Wagen rein, die Tür soll offen bleiben. Mache ein Fenster auf. Im Mülleimer im Bad sind Slipeinlagen und irgendwas im Toilettenpapier, im Schlafzimmer eine Bananenschale, eine kleine Plastikflasche, ein leeres Nussglas, das soll in die Küche zurück. Ich hole neue Mülltüten und spanne sie auf, mache das Bett, sammle Kleidung vom Boden. Dunkelrote Hose, schwarze Bluse, so dünn, dass sie sich nicht falten lässt, Socken, Wäsche, die Unterhose hat mehr Luft als Stoff, wohl breite Hüften und kleine Brust. Wische die Krümel vom Tisch, gehe den Staubsauger holen, am ersten Tag lassen die Leute alles liegen, dann merken sie, dass ich da bin, und räumen auf.“ (Roschal 2026, S. 15) Reinigungskraft Hana sieht alles und wird nicht gesehen. Diese Unsichtbarkeit soll heute Thema sein, am 8. November, dem Tag der Reinigungskräfte.