Die Burg Limberg – virtuell, digital, barriereärmer: Geschichtsvermittlung und Videos in Gebärdensprache per App und Portal

02.10.2026 Aleksandra Stojanoska

Digitales Modell der Burgruine Limberg, Foto: Verein zur Erhaltung der Burgruine Limberg e. V.

Sebastian Schröder

Seit den 1980er-Jahren bemüht sich der Verein zur Erhaltung der Burgruine Limberg e. V. darum, die Ruine der einstigen ravensbergischen Landesburg für die Nachwelt zu erhalten. Im Zentrum steht dabei eine Burganlage, die in Mittelalter und Früher Neuzeit eines von vier Herrschafts- und Verwaltungszentren war, in die sich die westfälische Grafschaft Ravensberg unterteilte.

Die Burg Limberg bei Preußisch Oldendorf im Kreis Minden-Lübbecke datiert aus der Zeit des frühen 14. Jahrhunderts. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu baulichen Veränderungen und Umbauten. Einschneidende Baumaßnahmen sind insbesondere in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts zu beobachten. Einerseits endete die Phase der Verpfändungen, in der die Anlage mehrfach an andere Herrschaftsträger und lokale Adlige verpfändet worden war. Andererseits hatte es im Jahr 1556 auf der Burg gebrannt, sodass anschließend Wiederaufbaumaßnahmen ergriffen werden mussten; unter anderem war das Amts- und Verwaltungsgebäude betroffen gewesen. Aus dieser Epoche haben sich mehrere Pläne, Register und Bestandsaufnahmen erhalten, die auch ein ziemlich detailliertes Bild vom Burgalltag vermitteln. Man geht wohl nicht fehl, für die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts von einer „Blütezeit“ zu sprechen. Die politische Bedeutung der Limberg-Burg zeigte sich zum Beispiel auch anhand der Gerichtsbarkeit; so sprachen die Bischöfe von Osnabrück auf dem Limberg Recht und verurteilen Unrecht – unrühmliches Kapitel sind sicherlich mehrere Hexereiverfahren am Ausgang des 16. Jahrhunderts.

Infolge der Verwerfungen und Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) verlor die Burg Limberg ihre Bedeutung. Dazu trugen auch veränderte Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen bei. Allmählich verfiel die Wehranlage, unter den Brandenburgern und Preußen existierten hier bloß noch ein Gefängnis beziehungsweise ein Haftraum sowie eine Wohnung für den Förster. Des Weiteren nutzten die Menschen aus der Umgebung die ursprünglich wuchtigen Gemäuer als Steinbruch.

Heutiger Zustand der Burgruine Limberg, Foto: Sebastian Schröder.

Obschon der Limberg als romantisches Ziel für Wanderungen im 19. Jahrhundert nie gänzlich in Vergessenheit geriet, hatte die Anlage über die Jahrzehnte merklich gelitten, ehe sich Anfang der 1980er-Jahre ein Verein zur Erhaltung der Ruine gründete. Tatsächlich erreichte der Verein dieses Ziel, wobei der denkmalgerechte Erhalt freilich eine Daueraufgabe bleibt. Neben der Erhaltung des Baudenkmals widmet sich der Verein der Vermittlung der Lokalgeschichte, beteiligt sich etwa am jährlich stattfindenden „Tag des Offenen Denkmals“, veröffentlicht Publikationen und Berichte in der Lokalpresse, bietet Führungen und Vorträge an. Außerdem ist es möglich, sich im Turm der Ruine standesamtlich trauen zu lassen.

Hinweistafel auf App und Portal mit einer KI-generierten Abbildung von Alhard von Hörde, Foto: Verein zur Erhaltung der Burgruine Limberg e. V.

Kürzlich hat der Verein ein Online-Portal beziehungsweise eine App zur Vermittlung der Geschichte der Burg erarbeitet (https://preussischoldendorf.erleben.app/burg-limberg).  Neben kurzen Informationstexten und historischem Bildmaterial bieten die online verfügbaren Angebote digitale Modelle oder Rekonstruktionen vom früheren Zustand der Burg. Des Weiteren wurden historischen Persönlichkeiten mit Bezug zur Burg „O-Töne“ (Audio-Zitate) in den Mund gelegt. Der Raubritter und frühere Pächter der Anlage, Alhard von Hörde (gestorben 1466/67), sowie der im 18. Jahrhundert tätige Generalpächter und Amtmann Johann Henrich Velhagen erzählen aus ihrem Alltag und stellen sich sozusagen selbst vor; Ehrenamtliche des Vereins haben dazu den beiden bedeutenden Persönlichkeiten ihre Stimme geliehen. Diese – zugegeben fiktiven – „O-Töne“ sollen einen niedrigschwelligen, leicht zugänglichen Einstieg in die Lokalgeschichte bieten und auch neue Interessentenkreise erreichen. Großformatige Schilder mit KI-generierten Abbildungen der Protagonisten machen zukünftig im Umfeld der Ruine auf das Angebot aufmerksam.

 

Screenshot des Videos in Gebärdensprache zum Raubritter Alhard von Hörde, Foto: Verein zur Erhaltung der Burgruine Limberg e. V.

Zum einen bauen derartige Formate Hürden ab, zum anderen entstehen neue Barrieren. Deshalb hat der Verein jüngst Videos in Gebärdensprache produzieren lassen, in denen die fiktiven Aussagen der historischen Personen übersetzt worden sind. Öffentlich wurde dieses Vorhaben äußerst positiv aufgenommen: Westenergie lobte beispielsweise den LokalStars-Award für dieses Projekt aus, das Vorbildcharakter besitze. Der Verein zur Erhaltung der Burgruine Limberg will auch künftig Inklusion fördern und Teilhabe ausbauen. Angedacht sind etwa eine Übersetzung des digitalen Angebots in einfache Sprache sowie das Erstellen von Innenraumaufnahmen der Ruine – um auch bewegungsbeeinträchtigten Menschen einen (digitalen oder virtuellen) Zugang zur Burg zu gewähren.

Der Limberg-Verein bezweckt mit seiner App beziehungsweise dem Portal und vor allem den Videos in Gebärdensprache, neue Zugänge zur lokalen Vergangenheit zu schaffen. Geschichte soll für alle da sein! Insofern hofft der Verein, dass sich weitere (kleinere) Einrichtungen ermutigen lassen solche Projekte durchzuführen und einen inklusiven Zugang zu historischen Quellen und Informationen zu ermöglichen. Die Videos in Gebärdensprache stellen dabei einen kleinen Schritt dar.

Erleben-App Burg Limberg: https://preussischoldendorf.erleben.app/burg-limberg