Christiane Cantauw
Reisetagebücher sind historische Quellen, die vielfältige Informationen – beispielsweise über Reiseziele, Reiseverkehrsmittel und Reisekosten – enthalten. Als Ego-Dokumente berichten sie zudem über die Reisenden, die sie verfasst haben. Die nahmen sich während, seltener kurz nach ihrer Reise, die Zeit, Erinnerungswertes aufzuschreiben. In der Regel waren ihre Notizen nicht zur Veröffentlichung gedacht, sondern sie dienten der privaten Rückschau. So auch im Fall des Reisetagebuchs von Heinrich Althoff aus Langenhorst (heute Stadtteil von Ochtrup).
Eine Kopie des 93 Seiten umfassenden Originaldokuments aus dem Jahr 1882 wird im Alltagskulturarchiv unter der Signatur K542 verwahrt. Auf 47 Seiten berichtet Heinrich Althoff darin von den Stationen einer viermonatigen Reise von Kroatien über Italien, die Schweiz und Deutschland. Weitere 34 Seiten sind mit Skizzen gefüllt und am Ende notiert Heinrich Althoff auf insgesamt zwölf Seiten seine Ausgaben und Anschaffungen.
Malergeselle Heinrich Althoff, am 20. August 1853 in Langenhorst geboren, hatte schon vor dieser Reise seit 1874 lange Jahre auf Wanderschaft verbracht. Ob es sich dabei um eine regelgerechte Gesellwanderung (Walz) gehandelt hat, lässt sich auf Basis der Quellen nicht sagen. Ein Arbeitsbuch, in das die Arbeitgeber Zeugnisse hineinschrieben liegt von ihm nicht vor, wohl aber ein Notizbuch, in das er selbst eintrug, wann er wo gearbeitet hat. Nach Stationen in Münster, Hamburg, im Rheinland und in Brüssel wandert er ab 1880 auch durch Süddeutschland und Österreich. Die meist längeren Aufenthalte in den einzelnen Städten lassen darauf schließen, dass Heinrich Althoff in dortigen Betrieben gearbeitet hat. Das belegen auch Einträge in seinem Notizbuch. Als Mitglied des Katholischen Gesellenvereins hat er sich auch in den entsprechenden Ortsvereinen angemeldet. Das geht aus den Einträgen in seinem „Wanderbüchlein“ (1873 – 1883) hervor, die unter anderem bestätigen, dass er während seines Aufenthaltes „ein braves und treues Mitglied“ des Vereins gewesen sei (Hamburg, 30.1.1876) oder dass er „seit Januar hier auf dem Schloß Nordkirchen gearbeitet und sich gut betragen“ habe (Nordkirchen, 24.6.1877). Auch während seiner 1882 unternommenen Reise übernachtet er nach Möglichkeit in den Häusern des Katholischen Gesellenvereins, wie die Eintragungen aus dieser Zeit belegen.