„Was wir heut‘ in Silber kränzen Mög‘ Euch einst im Golde glänzen“. Porzellan zu Hochzeit und Ehejubiläen

07.07.2026 Niklas Regenbrecht

Porzellanteller zur Silberhochzeit (Emslandmuseum Lingen).

Andreas Eiynck

Porzellan spielte im traditionellen Hochzeitsbrauch nicht nur beim Polterabend, sondern auch als Geschenk eine Rolle. Zur weiblichen Aussteuer in Stadt und Land gehörte seit dem 19. Jahrhundert und bis in die 1950er Jahre als unverzichtbarer Bestandteil Porzellangeschirr in unterschiedlicher Anzahl und Ausführung. Geradezu sprichwörtlich war das „beste Porzellanservice“ für die festliche Kaffeetafel, das gut sichtbar im Glasschrank ausgestellt wurde, aber nur selten zur Verwendung kam. Entsprechend günstig gegenüber dem täglich benutzten Alltagsgeschirr waren daher die Erhaltungsbedingungen für dieses Andenkengeschirr, besonders für dickwandige Kaffeekannen und Servierplatten, während Tassen und Teller beim Gebrauch und beim Spülen eher zu Bruch gingen.

Erkennbar ist Hochzeitsporzellan an Aufschriften wie etwa „Der Braut“ und „Dem Bräutigam“ oder „Der Hausfrau“ und „Dem Hausherrn“. Auch Segenswünsche wie „Gott segne Euren Bund“ oder Sinnsprüche wie „Zu Eurem Hochzeitsfeste Wünsch ich Euch das Allerbeste Gesundheit Glück, Zufriedenheit  Bis in die fernste Lebenszeit“ sind Kennzeichen von Hochzeitsgeschenken aus Porzellan.

Porzellan mit Namen, Mitte 19. Jahrhundert (Privatbesitz Wettrup).

Eine Besonderheit stellten Porzellangeschenke mit individuellen Namensinschriften dar. Weil das Porzellan ohnehin von Hand bemalt wurde, war dies an sich kein großer zusätzlicher Aufwand, aber in Zeiten ohne Fax und E-Mail musste es viele Wochen vorher in Auftrag gegeben werden, um rechtzeitig zum großen Ereignis fertig und vor Ort zu sein. Für den Kontakt zwischen Kunden bzw. Auftraggebern und Herstellern sorgten die zahlreichen Porzellangeschäfte, die die Bestellung per Post aufgaben und später die Qualitätskontrolle der gelieferten Ware übernahmen. Transportiert wurde das Porzellan aus den Herstellungszentren in Bayern und Thüringen per Eisenbahn, gut verpackt in Kisten mit Holzwolle.

Auch zu Ehejubiläen war Porzellan ein beliebter Geschenkartikel. Zur Silberhochzeit wurden die Teller, Tassen und Schalen mit einer silberglänzenden Bemalung versehen. Zum Dekor kamen dann Sinnsprüche wie „Was wir heut‘ in Silber kränzen Mög‘ Euch einst im Golde glänzen“.

Da bei einem Silberpaar die Kinder im Haushalt meistens schon herangewachsen waren und die Restnutzungsdauer des Porzellans gegenüber Geschenken zur Grünen Hochzeit wesentlich kürzer war, sind die Andenken an Silberhochzeiten weitaus häufiger erhalten als Andenkenporzellane an die eigentliche Hochzeit.

Andenkenteller zur Silberhochzeit (Privatbesitz Wettrup).

Goldene Hochzeiten kamen aufgrund der geringeren Lebenserwartung vergleichsweise selten vor und waren dann ein großes Ereignis für Verwandtschaft und Nachbarschaft. Das Geschenkporzellan musste für diesen Anlass entsprechend reicher gestaltet sein als bei Gaben zur Hochzeit oder Silberhochzeit.

Bei einer Goldenen Hochzeit im Jahre 1908 auf dem Hof Nordbeck in der Bauerschaft Hardingen bei Uelsen in der Grafschaft Bentheim beteiligten sich zahlreiche Festgäste an einem aufwendig in Goldfarbe gestalteten Porzellanservice. Die einfachen Kaffeetassen zeigten die Namen des Jubelpaares Harm und Fenne Nordbeck sowie die Jahreszahlen 1858 und 1908. Bei einer aufwendigeren Variante kamen die Initialen verschiedener Schenker hinzu. In dieser Art wurden auch der Zuckertopf und der Sahnegießer dekoriert. Auf der teuren Kaffeekanne aber prangt die goldfarbige Inschrift: „Zur Goldenen Hochzeit der Eheleute Harm Nordbeck Fenna Nordbeck in Hardingen 1858  16. April  1908  Familie Holthus in Ittebeck“, womit sich auch die Schenkerfamilie dauerhaft verewigt hatte. Das Goldhochzeitsservice muss schon bei seiner Übergabe im Jahre 1908 ein ganz besonderes Geschenk gewesen sein, denn über mehrere Generationen und über einen Umzug mit Pferd und Wagen hinweg ist es bei den Nachfahren der Eheleute Nordbeck in Lingen bis heute erhalten.

Quellen und Literatur:

Gertrud und Wilhelm Elling: Hausrat und Arbeitsgerät im Westmünsterland. Vreden 2002.

http://uelsen-und-umgebung.de/geschichten/nordbeck_gr.html

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Schlagworte: Andreas Eiynck · Sachgut