Andreas Eiynck
In den Sommermonaten sieht man sie vielerorts am Straßenrand stehen: die überlebensgroßen Figuren aus Strohballen. An markanten Stellen wie Straßenkreuzungen oder Hofzufahrten laden sie zu Schützenfesten und Landjugendpartys ein oder weisen auf Hochzeiten und andere Ereignisse im Ort hin. Und immer wieder wundert man sich über den Aufwand, der mit dem Aufstellen, Dekorieren und Ausstaffieren der Figuren getrieben wird. Darüber berichtet aktuell auch Munia Nienhaus im „Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben“ am Beispiel eines Schützenfestes in Balve-Garbeck im Märkischen Sauerland.
Voraussetzung für die „Erfindung“ der Figuren aus Strohballen war die Einführung von Ballenpressen für die Strohverarbeitung in der Landwirtschaft, die den Transport und die Lagerung von Stroh erleichterten. In der 1960er- und 1970er-Jahren kamen zuerst die rechteckigen, sogenannten „Hochdruckballen“ in Gebrauch. Sie hatten bei Ausmaßen von ca. 40x50x100 cm ein Gewicht von 10 bis 30 Kilogramm und waren noch von Hand stapelbar. Mit ihnen konnte man schon temporäre Sockel oder Wände im Freien aufbauen, um daran Werbung für Veranstaltungen oder Hinweise auf Ereignisse anzubringen. Die Schriftbänder schmückte man gerne mit Maisstängeln, Sonnenblumen oder Birkengrün.
Als Weiterentwicklung kamen Ende der 1970er-Jahre die Großballen mit größeren Ausmaßen (B = 80-120, H = 50-130, L = 50-320 cm) in Gebrauch, die wegen des höheren Gewichtes nur mit Geräten transportiert werden können. Mitte der 1970er-Jahre kam dann die erste Rundballenpresse zum Einsatz. Die großen runden Ballen haben einen Durchmesser von 90 bis 180 cm, sind über einen Meter breit und über 200 Kilogramm schwer.
Wegen der Ähnlichkeit der Rundballen mit einem menschlichen Kopf kamen findige Landleute rasch auf die Idee, aus Rund- und Großballen Figuren zu gestalten, etwa Brautpaare oder Schützenbrüder mit ihren Damen. Mit den Großfiguren machten sie öffentlich auf Ereignisse wie Hochzeiten oder Schützenfeste aufmerksam. Auch für Scheunenfeste und Landjugendpartys, Ortsjubiläen und Vereinsfeste werben die großen Strohfiguren, die bevorzugt an gut sichtbaren Stellen aufgestellt werden.