Das Bild zeigt keine Hofgemeinschaft, sondern einen „Lohndreschtrupp“. Mit Blick auf die abgebildeten Personen ist nicht zu entscheiden, wer zum Dreschtrupp gehörte und wer Teil der Hofgemeinschaft war. Das Bild zeigt zwölf Menschen: zwei Frauen und zehn Männer, davon einige offenkundig eher Heranwachsende. Zudem sind ein Hund und natürlich die mächtige Lokomobile zu sehen, also die mobile Dampfmaschine, die in der Landwirtschaft seit der Wende zum 20. Jahrhundert zunehmend Verbreitung als Antriebseinheit für Dreschmaschinen gefunden hatte. Das veränderte die Arbeit wesentlich. Einerseits bedeutete es eine nicht zu übersehende Mechanisierung landwirtschaftlicher Tätigkeiten sowie eine damit verbundene Erleichterung, Vereinfachung und Beschleunigung der Arbeit. Andererseits unterstreichen die Ankunft und der Einsatz einer Lokomobile, in welchem Ausmaß Landwirtschaft ein Zusammenspiel kontinuierlicher, an den Hof und die Hofgemeinschaft gebundener Arbeit auf der einen und mobiler Arbeitsformen auf der anderen Seite ist.
Das Bild zeigt also eine Arbeitsgruppe. Die Gruppe ist entlang der konkreten Tätigkeiten und Aufgaben differenziert. Es machen nicht alle das gleiche, und die Bildkomposition drückt das unmissverständlich aus. Eine wichtige Rolle bei dieser Differenzierung spielen die Arbeitsgeräte und die Position im Verhältnis zur großen, mobilen Dampfmaschine.
Etwas abseits von der Lokomobile stehen die beiden Frauen – mit Rechen und Heugabel. Bei ihnen steht ein sehr junger Mann. Dieses Dreierteam ist für manuelle Arbeit rund um den (teil-)mechanisierten Drescheinsatz eingeplant, aber nicht für die Bedienung der Maschine. Mit Ausnahme von zwei Personen (ich werde darauf zurückkommen) sind alle anderen – alles Männer – als „Maschinenarbeiter“ erkennbar. Im Vordergrund, direkt am Dampfkessel, sehen wir auf der einen Seite einen Mann mit (Kohle-)Schaufel. Auf der anderen Seite legt jemand die Hand auf einen Hebel. Neben ihm steht ein junger Heranwachsender. Zusammen mit dem Dampfkessel muten die drei ein wenig wie Eisenbahner an, die zusammen eine Dampflok in Fahrt halten. Bleiben vier Männer, die nicht mit der Lokomobile verbunden sind, sondern im Hintergrund mit der Dreschmaschine, die von der Lokomobile angetrieben wird. Stolz posieren sie nicht neben, sondern auf der Maschine. Einerseits hat das etwas von der Pose des Bergsteigers oder Eroberers. Zumindest soll es wohl andeuten, wer die Maschine im Griff hat. Andererseits wirken die vier Männer angesichts des metallenen Ungeheuers klein. Das ist typisch auch für Industriefotografien, die oft und gern das Gigantische und Riesenhafte der Maschinen und das Zwergenhafte der sie bedienenden und dann eben doch auch beherrschenden Menschen inszenierten.
Gerahmt wird der Dreschtrupp samt Lokomobile von zwei Menschen, bei denen nicht ganz klar ist, wie sie zum Ganzen in Beziehung standen: Auf der einen Seite steht ein älterer Mann, eine Hand in der Jackentasche, Autorität ausstrahlend. Vielleicht handelt es sich um den Bauern, in jedem Fall aber wohl um denjenigen, der die Verantwortung hat und die Ansagen macht. Auf der anderen Seite sitzt ein Jugendlicher auf einem Fahrrad. Das wirkt lässig, weil er eben nicht neben dem Rad steht, sondern gekonnt im Sattel sitzt und das Gleichgewicht mit dem Fuß auf einen Holzkarren gestützt hält. Es ist offensichtlich, dass der Junge nicht zum Dreschtrupp gehört und wohl auch keine konkrete Aufgabe hatte. Vielleicht ist es ein Sohn des Bauern, zu klären ist das nicht. Jedenfalls scheint es so, als hätte er sich auf das Foto geschlichen. Die gleichzeitige Anwesenheit der Lokomobile und eines Fotografen, überdies die Möglichkeit, sich auf einem Fahrrad sitzend zu präsentieren: eine Gelegenheit, die er wohl nicht verpassen wollte.