Die nicht weniger qualitätvollen Möbel aus Lippstadt unterscheiden sich davon deutlich in Form, Farbe und Herstellungsweise. Es handelt sich hier um städtisch-bürgerliche Biedermeiermöbel. Im Gegensatz zu den Ravensberger Bauernmöbeln zeichnen sie sich durch Schlichtheit, helles Holz und Intarsienarbeiten aus. Auch gibt es hier mehr und andere – neue – Möbelformen, wie Kommoden, Klappsekretäre, Schreibschränke oder Sofas. Die Einrichtungsgegenstände sollten eine schlichte Eleganz zum Ausdruck bringen. Sie haben ihre Vorbilder im Klassizismus, wirken filigran und leicht und besitzen glatte spiegelnde Oberflächen.
Schon um 1900 wurden die Ravensberger Betten, Truhen und Schränke zum Inbegriff für „westfälische Bauernmöbel“. Sie galten über ihren Nutzwert hinaus als Visualisierung von Werten wie Beständigkeit, Heimatverbundenheit und Traditionsbewusstsein. Bereits im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich seitens der Museen eine Nachfrage nach genau diesen Möbeln, der der Antiquitätenhandel entsprach. Auch in der sich formierenden Heimatbewegung galten diese Art von Möbel als Ausdruck von Heimat- und Traditionsbewusstsein. Dementsprechend wurden zahlreiche Heimatstuben mit ihnen ausstaffiert. Fotografien, Postkarten und Bildbände trugen zur weiteren Musealisierung der Einrichtungsgegenstände bei.
Anders die städtisch-bürgerlichen Biedermeiermöbel: Sie wurden um 1900 nicht als Antiquitäten geschätzt und auch von Museen nicht gesammelt, weil die Bürger es waren, die ins Museum gingen und dort nicht ihre eigene Wohnkultur betrachten wollten – sondern das Wohnen der Anderen.
In der Ausstellung in Bielefeld werden aber nicht nur die unterschiedlichen Möbelformen, sondern auch die verschiedenen Nutzungen gezeigt. Eine Vielzahl an Aufbewahrungsmöbeln veranschaulicht, was man im städtischen und ländlichen Bereich als praktisch, nützlich oder repräsentativ betrachtete.
Die Unterschiede in der Nutzung verschiedener Möbel für ähnlichen Aufbewahrungszwecke wird am Beispiel von Truhe (Land) und Kommode (Stadt) deutlich.