Da auch die ausgrabenden Personen zum damaligen Zeitpunkt nicht genau wussten, um was es sich handeln könnte, wurde das 4,8 Zentimeter hohe Objekt auf dem zugehörigen Fundzettel relativ unspezifisch als „Knochenschnitzerei“ aufgenommen. Vielleicht handelt es sich bei dem Material des 4,8 Zentimeter hohen Objektes aber auch um Geweih. Aufgrund der Schicht, in der es ausgegraben wurde, kann es ins 14./15. Jahrhundert datiert werden.
Bei der Bearbeitung der Funde kurz nach der Ausgrabung wurde eine Ansprache als Spielstein oder Petschaftgriff (Griff eines Siegelstempels) diskutiert, jedoch wieder verworfen und nach weiteren Erklärungen gesucht (siehe Publikation zu den Ausgrabungen im Kloster Gravenhorst). Aufgrund der Form lag die Vermutung nahe, dass es sich um den Steg eines Saiteninstrumentes handeln könnte. Diese Deutung wurde lange Zeit als die wahrscheinlichste betrachtet, da sich so die Kerben und die zwei Löcher erklären ließen.
Wie so oft half schließlich der Zufall mit. Da ich als wissenschaftliche Referentin im Zentralen Fundarchiv der LWL-Archäologie das Objekt für Frau Schmidts kleinen Artikel nochmal genau vermaß, hatte ich sein Aussehen recht gut im Kopf. Daher fiel mir beim Durchblättern eines Buches über Schachfiguren aus archäologischen Kontexten direkt eine Abbildung ins Auge, die dem fraglichen Objekt frappierend ähnlich sah.