Andreas Eiynck
Anfang 2026 wurde im Stadtzentrum von Ochtrup ein markantes Bürgerhaus abgebrochen, das sich seit fünf Generationen im Besitz der Familie Hues befand. Im 17. und 18. Jahrhundert wohnten hier in der Weinerstraße 10 die Ochtruper Bürgermeister aus den Familien Eilink und Düker. 1798 ließ der damalige Bürgermeister Wilhelm Düker das Haus umbauen und erweitern. Die Maueranker der damals entstandenen Backsteinfassade zeigen seine Initialen. Über mehrere Jahrhunderte ist das Haus damit als Sitz der Ochtruper Bürgermeister nachweisbar.
Schon im Mittelalter stand an dieser Stelle das erstmals 1342 erwähnte Wigboldhus, das Gemeindehaus, denn Ochtrup war von alters her ein Kirchort mit besonderen Rechten und strebte nach dem Status eines sogenannten Wigbold, einer Minderstadt nach münsterländischem Recht.
Ochtrup lag als Etappenort am Deventer Hellweg, dem alten Handelsweg von der mittelalterlichen Hansestadt an der Ijssel in das Münsterland sowie über Rheine und Osnabrück nach Osten. Dorf und Kirchspiel Ochtrup gehörten zum Fürstbistum Münster. Der Ort war aber umgeben von den Grafschaften Steinfurt und Bentheim sowie der Burg Gronau, die unter der Herrschaft der Grafen von Bentheim standen und im 16. Jahrhundert protestantisch wurden, zunächst lutherisch und später reformiert.
Nachdem die Niederlande ebenfalls protestantisch wurden und sich gegen die Habsburgische Herrschaft erhoben, geriet auch das Münsterland als Versorgungs- und Rückzugsraum in das Blickfeld beider Kriegsparteien. Daher beschloss der Bischof von Münster in der Zeit um 1590, das Dorf Ochtrup zu befestigen, ihm Marktrechte zu erteilen und die Erneuerung der Wigboldrechte in Aussicht zu stellen.
Der Besitzer des Wigboldhauses, Johann Eilink, war von 1593 bis 1632 Bürgermeister. In seine Amtszeit fielen wichtige Ereignisse wie die Befestigung des Dorfes und die Verleihung der Marktrechte im Jahr 1597. 1612 versuchte Eilink, die Wigboldrechte für Ochtrup zu erhalten bzw. zu erneuern. Um diese Zeit soll sich in dem Haus auch eine Gaststätte befunden haben mit dem Namen „tot witte Piärd“ (zum weißen Pferd).
1599 vernichtete ein Großbrand weite Teile des bis dahin eher unregelmäßig bebauten Ortes. Dieser Flächenbrand bot die Gelegenheit, den Stadtgrundriss zu ordnen und die Hausstätten neu zu parzellieren. Die Straßenzüge wurden begradigt und neue Seitenstraßen angelegt, die sich an den neuen Festungsanlagen orientierten.