Hermanus Ebmeijer: Wie ein Herforder nach Zaandam kam

04.08.2026 Niklas Regenbrecht

Im Bild: “de Dam” (= der Name der Strasse) über der Zaan. Auf demDam stehen Häuser. Von rechts nach links gibt es drei Löcher/Schleusen im Dam. Der ganz linke ist teilweise hinter dem Segel des Bootes verborgen. Das rote Haus links von der mittleren Schleuse und das Haus links daneben waren die Häuser der Ebmeijers. Links wird ein an der Nordseite des Dams gebautes Schiff über den Dam gezogen. Ab 1883 verlegte Johannes Jacobus Ebmeijer das Geschäft von der Mitte des Dam in das Gebäude rechts von der rechten Schleuse. Ganz rechts ist ein kleiner Teil des Gebäudes zu sehen. Foto: Zaans Museum, ZOV-04143.

Im 18. Jahrhundert wanderten zwei Familien aus Herford in die Niederlande aus und zogen nach Amsterdam und Zaandam. Hier führten die Ebmeijers unter anderem über sechs Generationen erfolgreich ein Spirituosengeschäft.

Renée Boswinkel

Letztes Jahr, im Jahr 2024, kamen einige Dokumente die der verstorbene Großvater der Autorin über seine Vorfahren gesammelt hatte in den Niederlanden zum Vorschein. Ebmeijer, so der Name des Großvaters, ist ein Name, der in den Niederlanden nicht gebräuchlich ist. Grund genug für die Autorin dies weiter zu untersuchen. Der erste Ebmeijer in der Familienlinie war Johan Hermann Ebbemeijer aus Herford, der sich 1737 als Hermanus Ebmeijer in das Register der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Zaandam eingetragen hatte. Wenn man diesen Namen googelt landet man bei einer notariellen Urkunde aus dem Jahr 1766 im Amsterdamer Stadtarchiv: die Teilung des Nachlasses der verstorbenen Katrina Kraemer und ihres zuvor verstorbenen Mannes Hendrik Kerkhoff. Aus dieser Urkunde ergab sich, dass sich drei deutsche Familien zusammenschlossen: Kerkhoff und Ebbemeijer aus Herford und Kraemer aus Lintorf (Ratingen).

Warum sind diese Kerkhoffs und Ebbemeijers von Herford nach Amsterdam und Zaandam gezogen und wie erging es Hermanus Ebmeijer und seinen Nachkommen in Zaandam?

Ein Grund für unternehmungslustige Leute Herford zu verlassen, dürften die schlechten sozioökonomischen Verhältnisse nach dem 30-jährigen Krieg gewesen sein.

So kamen die Brüder Hendrik (geb. ca. 1684) und Frans Kerkhoff (geb. ca. 1686) etwa 1715 nach Amsterdam, heirateten dort, gründeten dort ihre Familien und bauten sich ein Leben als Kaufleute auf. Hendrik Kerkhoff war dort bekannt als Gastwirt des Amsterdamer Stadtgasthauses „de Munt“ und als Händler mit Tee, einem damals teuren Luxusprodukt. Ihre beiden Schwestern Agneta Kerkhoff und Maria Elisabeth Kerkhoff blieben in Herford. Agneta Kerkhoff heiratete Henrich von der Heide. 1743/1744 wohnten sie am Neuen Markt 2. Maria Elisabeth heiratete 1712 Johan Ebbemeijer. Sie wohnten höchstwahrscheinlich in der Straße Komtur 18 oder in der Johannisstraße 42. Beide Männer waren Bäcker und Brauer. Von den Kindern der Ebbemeijers haben sechs überlebt: Johan Hermann, Ernst, Anna Catharina, Hendrik, Jan und Frans. Die Beziehungen zwischen den Kerkhoffs und den Ebbemeijers müssen eng gewesen sein. So war Agneta Kerkhoff die Patentante von Johan Hermann und Katrina Kerkhoff-Kraemer die Patentante von Anna Catharina.

Ein Bild der Mühle „Het Wapen van OostZaan“, auch „het Oostzaner Wapen“ genannt. Foto: Archief Zaanstad: NL-ZdGAZ_91_006151 (1900) Hersteller unbekannt.

Nicht nur in Amsterdam, sondern auch in Zaandam hatten sich Personen aus Herford niedergelassen, darunter auch der Bäcker Hendrik Stoppelman. Das Netzwerk aus Familie und Bekannten aus Herford mag der Grund dafür gewesen sein, dass die Ebbemeijer-Kinder oder ihre Eltern, aus allen möglichen Orten Amsterdam und Zaandam gewählt haben.

Auf den Spuren von Hermanus kamen einige Jahre später, 1742 und 1747, seine Brüder Ernst und Hendrik nach Zaandam. Anna Catharina heiratete einen Kaufmann in Amsterdam. Bruder Jan wurde auch Kaufmann in Amsterdam, wahrscheinlich Zuckerhändler. Die Übersicht der „Angekommenen und abgegangenen Herforder Bürger 1717-1773“, die im Kommunalarchiv Herford zu finden ist, zeigt aber, dass 1752 ein Henrich Ebbemeijer und 1758/1759 ein Franz Ebbemeijer in Herford mit dem Beruf des Bäckers und Brauers wieder eingetragen waren. Möglicherweise handelt es sich um „unsere Ebmeijers“, als Nachfolger in der Gesellschaft ihres verstorbenen Vaters.

Hermanus heiratete in Zaandam im Alter von 27 Jahren im Jahre 1740 Lucia Flora. Sie ist die Witwe von Jan Stoppelman, Sohn des Bäckers Hendrik Stoppelman aus Herford. Hermanus ist nicht sehr wohlhabend: er bringt in die Ehe etwa 700 Gulden ein, bestehend aus seinen Kleidern und einer Menge Tee. Möglicherweise ein Teil des Tee-Handels von Onkel Hendrik Kerkhoff aus Amsterdam, der auch Zeuge bei seiner Hochzeit ist. Lucia Flora, damals 33 Jahre alt, stellt sich als wohlhabende Witwe heraus und bringt mehr als 11.000 Gulden mit. Hermanus und Lucia und vier nachfolgende Generationen leben in einem Doppelbau auf dem Dam, der Verbindungsbrücke über den Fluss Zaan.

Von Anfang an war die Familie Ebmeijer in Zaandam Teil eines sozialen Netzwerks der Evangelisch-Lutherischen Kirche. Die Männer bekleideten dort Positionen, wurden als Vormünder für Witwen und Waisen eingesetzt. Dieses Netzwerk führte zu Ehen und geschäftlichen Kooperationen.

Ein Foto aus der Firmenbroschüre zeigt das Innere des Ladens in Zaandam.Foto: Archief Zaanstad: Firma en Familie J.J. Ebmeijer, PA-0280, inv. Nr. 14. Hersteller unbekannt.

In der Zwischenzeit wurde Hermanus nicht nur Händler von Lebensmitteln (Kaffee und Tee), sondern auch Händler von Spirituosen, ebenso wie sein Bruder Ernst. Die Destillation der Spirituosen und das Rösten des Kaffees erfolgte in eigenen Lagerhäusern an einer anderen Stelle in Zaandam („Peperstraat“). Die Geschäfte scheinen gut zu laufen. Als Lucia in 1749 starb, war der Besitz des Paares nun mehr als 36.000 Gulden wert. Wenig später heiratete Hermanus die 20 Jahre jüngere Grietje van der Linden; Tochter eines wohlhabenden Mitglieds der Kirche. Hermanus wird auch Miteigentümer der Mühle „het Wapen van Oostzaan“ und sammelt Anleihen: kurzum, es geht ihm gut. Als er 1781 stirbt, ist das Vermögen auf etwa 80.000 Gulden angewachsen. Witwe Grietje entpuppt sich auch als unternehmungslustige Frau: als sie 1805 stirbt, beläuft sich das Vermögen für ihre Kinder auf etwa 130.000 Gulden bestehend aus Immobilien (fünf Häuser, ein Lagerhaus, ein Gasthaus und eine Mühle „het Wapen van Oostzaan“), Anleihen und anderen Schuldverschreibungen, die großzügige Zinsen abwerfen. 

Ihr Sohn Johannes (1757-1831) scheint aus dem gleichen Holz geschnitzt zu sein. Ab 1778, im Alter von 21 Jahren, trat er die Nachfolge seines Vaters als Spirituosenhändler an und leitete die Brennerei und die Kaffeerösterei. Seine Mutter führte lange Zeit den Lebensmittelladen, die Mühle und das Gasthaus. Johannes wird Miteigentümer von circa 13 Schiffen (zehn Frachtschiffe und drei Walfänger).

1901 wurde die Holzfassade durch weiße Steinmauern im Jugendstil ersetzt. Das Haus ist rechts zu sehen. Foto: Archief Zaanstad, NL-ZdGAZ_41_ 05242, Hersteller unbekannt (1910).

In der Zeit von 1806 bis 1811 war Johannes auch Mitglied des Stadtrates Oost und Westzaan. Er handelte intensiv mit Anleihen und anderen Schuldtiteln. In jungen Jahren wurde er bereits in notariellen Urkunden als Kaufmann und Rentier bezeichnet. Er stirbt 1831 und hinterlässt etwa 215.000 Gulden. Er gehörte daher zur finanziellen „Oberklasse“ von Zaandam. Und das trotz der schwierigen Wirtschaftsverhältnisse aufgrund der Herrschaft Napoleons, der Einführung von Steuern auf Häuser und Grundstücke und der Kriege mit England, in deren Folge die notwendigen Schiffe beschlagnahmt wurden. Zwei seiner Schwestern sind ebenfalls Unternehmerinnen. Sie wurden in jungen Jahren Witwen und besaßen deshalb die Mühlen und eine Stärkefabrik ihrer verstorbenen Ehemänner.

 Ende von Familie und Geschäft in Zaandam

Insgesamt sechs Generationen lang führten die Ebmeijers ihr Spirituosengeschäft. In der sechsten Generation führte ein Johannes das Spirituosengeschäft weiter bis zu seinem Tod im Jahr 1924. Danach wurde der Betrieb einige Jahre von einem Familienmitglied weitergeführt. Doch als auch dieses 1929 starb, wechselte das Spirituosengeschäft an einen Besitzer außerhalb der Familie. Aufgrund des Bekanntheitsgrades trug das Unternehmen den Namen Ebmeijer weiter, bis das Unternehmen nach etwa 230 Jahren im Jahr 1972 aufhörte zu existieren.

Am Ende haben sechs Ebmeijer Generationen in Zaandam gelebt, gearbeitet und bauten dank Hermanus, seiner Frau Grietje und ihrem Sohn Johannes dort ein Leben in Wohlstand auf.

 

Zuerst erschienen in: HF-Magazin. Heimatkundliche Beiträge aus dem Kreis Herford, Nr. 137, 17.06.2026, herausgegeben von der Neuen Westfälischen.

Link: https://www.kreisheimatverein.de/wissen/hf-magazin/

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