Andreas Eiynck
Auf Porzellan gemalte Stadtveduten waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beliebte Sammlerstücke. In vielen Museen finden sich Beispiele, deren Herkunft in der gutbürgerlichen Schicht der Biedermeierzeit zu suchen ist. Als künstlerisch qualitätvolle Dekorations- und Erinnerungsstücke besaßen sie einen hohen Prestigewert. Aber sie waren eben auch sehr teuer und damit für breite Bevölkerungsschichten unerschwinglich.
Dies änderte sich, als in der Zeit um 1860 neue technische Verfahren entstanden, die den Druck von mehrfarbigen Bildern auf Porzellan ermöglichten, die sogenannten Chromo-Lithografien. Das Grundmotiv wurde dabei in schwarzen Linien aufgedruckt und dann mit farbigen, unterschiedlich intensiv gedruckten Flächen koloriert. So entstand auf den ersten Blick der Eindruck eines gemalten Motivs.
Das Verfahren konnte unter Verwendung derselben Vorlagen für farbige Ansichtskarten, die in den 1890er-Jahren in Umlauf kamen und sich rasch zu einem populären Bildmedium entwickelten, ebenso verwendet werden wie für gedruckte Stadtansichten auf Porzellan. Letztere wurden nun für einen breiten Abnehmerkreis erschwinglich.
Neben den romantisierenden Stadtansichten, Straßenszenen und markanten Gebäuden, wie sie für die Biedermeierzeit typisch waren, wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Motive aus der Welt der Technik populär. So besitzt das Stadtmuseum in Lippstadt einen Teller mit einer Darstellung der königlichen Artillerie-Werkstatt in Lippstadt. Im Emslandmuseum in Lingen befinden sich Porzellangegenstände mit der aufgedruckten Ansicht des Bahnhofes, des Kanalhafens und des Wasserturmes. Fast immer sind die Motive mit einer kurzen Beschriftung in typografischen Buchstaben versehen und erinnern auch damit an die Motive auf Ansichtskarten.