Künstliche Intelligenz wird die Fotografie und den Film nicht ersetzen. Zu erwarten ist aber ein ähnlicher Paradigmenwechsel wie infolge der Erfindung der Fotografie und des Films oder durch den Einzug von Digitalfilm und digitaler Fotografie. Die Bedeutung, Reichweite und Relevanz von Fotografie und Film werden sich durch die neuen technischen Möglichkeiten absehbar tiefgreifend verändern. Damit einher gehen ethische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen. Was „echt“ ist und was nicht, kann seitens der Betrachtenden immer schwieriger entschieden werden. Letztlich stellt sich die Frage, ob Authentizität künftig überhaupt eine relevante Kategorie bleiben wird, kann und soll.
Die Tagung „Echt jetzt? Fotografie/Film und KI/AI“ fragt nach der Rahmung des Feldes durch Recht und Gesetz ebenso wie nach dem praktischen Umgang mit KI-generiertem Bildmaterial durch Bildschaffende, Betrachter:innen oder Museen und Archive.
Zwischen neuen kreativen, praktischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten und der dezidierten Kritik (beispielsweise Herkunft von Trainingsdaten, Energieverbrauch, Geschichtsklitterung, Suggestionskraft) an den neuen Bildern wird ein neues Forschungsfeld im interdisziplinären kulturwissenschaftlichen Kontext konturiert.
Programm:
24. September 2026
10:00 Ankommen, Anmeldung, Stehkaffee
10:15 Grußworte
10:30 – 11:00 Einführung (Ulrich Hägele, Tübingen)
Panel I
Risiken und Nebenwirkungen: Fragen von Recht und Glaubwürdigkeit
Moderation: Christiane Cantauw, Kommission Alltagskulturforschung für Westfalen, LWL, Münster
11:00 – 11:30 Pia Pillokat, Brühl: Prompt vs. Fotografie: Wem gehört das Bild?
11:30 – 12:00 Simone Rehm, Stuttgart: Wirklichkeit und Wahrheit in Zeiten von KI
12:00 – 12:30 Vanessa Zallot, Zürich/Luca Schaffer, Luzern: Die dokumentarische Un/Schärferelation. Dokumentarische Wahrheit und das Begehren nach Klarheit im Kontext von KI Enhancement
12:30 – 13:00 Maja Jerrentrup, Landshut: Ist das Kunst oder kann das weg? Einschätzungen zum Status von KI-generierten Werken
Bis 14:30 MITTAGSPAUSE
Panel II
Analoge und digitale Entstehungsparadigmen: Arbeiten mit und gegen KI
Moderation: Katrin Bauer, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn
14:30 – 15:00 Nadine Kulbe, Dresden: Was bleibt Fotografie? Zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz bei Amateurfotograf:innen
15:00 – 15:30 Timo Saalmann, Flossenbürg: Herausfordernde Bilder. Authentische Fotografien aus Konzentrationslagern und die Präsenz ähnlicher KI-Bilder in sozialen Netzwerken
15:30 – 16:00 Lina Ruth Harder, Bergen: Erinnerung neu belichtet? KI-generierte Portraits historischer Figuren zwischen Mythos, Kontrolle und Erinnerung
16:00 – 16:30 André Wunstorf, Berlin: Resilienz für aktuelle Fotografie am Beispiel der Stadtfotografie am Landesarchiv Berlin
Bis 17:00 KAFFEEPAUSE
17:00 – 17:30 Frederic Kausch, Bonn: KI im Vergleich zu anderen Methoden bei der Erschließung einer digitalen Fotosammlung
17:30 – 18:00 Volker Janke, Schwerin: Mehr als Bilder: Analoge Fotografien als serielle Quellen und ihre Erschließung im digitalen DAM
20:00 Gemeinsames Abendessen in einem nahegelegenen Restaurant
25. September 2026
Panel III
Grenzen und Möglichkeiten: Diesseits und jenseits der Fotografie
Moderation: Ulrich Hägele, Universität Tübingen
9:00 – 9:30 Martin Frech, Tübingen: Zur Farbe in der Fotografie und bei KI-generierten Bildern
9:30 – 10:00 Christian Sinn, Berlin: Die Elastizität KI-generierter Bilder. Kunstfotografie vs. KI
10:00 – 10:30 Jörg Müller, Tübingen: Generative KI und echte Fotografie
Bis 11:00 KAFFEEPAUSE
11:00 – 11:30 Luzie Ronkholz, Köln: Dekoloniale Potenziale post-fotografischer Bilder
11:30 – 12:00 Serafina Andrew, Zürich: Optimierte Ambiguität: KI, visuelle Normierung und die Extraktion Schwarzer Ästhetiken
Bis 14:00 MITTAGSPAUSE
Panel IV
Zwischen Kreativität und Hype
Moderation: Stefanie Grebe, Ruhr Museum / Zentrum für Fotografie Essen
14:00 – 14:30 Maximilian Jun Zhang, Tübingen: Fanpower in the Age of AI: Boys Love Fandome and the Imagination of Homosexual Intimacy
14:30 – 15:00 Florian Grundmüller, Göttingen: ELON Magazine – Hype als anthropologische Konstante
15:00 – 15:30 Laura Mitlewski, Biessenhofen: Schöpfung oder Simulation? Kreativität und der Einsatz von KI in Film und Fotografie
15:30 Abschlussdiskussion
16:00 Ende der Veranstaltung
Tagungsort: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz 10, 48143 Münster
Anmeldungen zu der Veranstaltung per Mail bis zum 18. September 2026 unter:
Konzept und Veranstaltung: Kommission Fotografie der Deutschen Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft (Christiane Cantauw, Ulrich Hägele), LWL-Kommission Alltagskulturforschung für Westfalen, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Ruhr Museum / Zentrum für Fotografie, Essen Universität Tübingen, Institut für Medienwissenschaft/Zentrum für Medienkompetenz